Marienthal 1850

Im Sommer 1849 begann Friedrich Fröbel in Bad Liebenstein mit der Ausbildung von Kindergärtnerinnen erstmals in einer zu diesem Zweck gegründeten Einrichtung.
Die erste Kindergärtnerinnenschule der Welt und wohl auch erste säkulare Berufsausbildungseinrichtung für Frauen in Deutschland konnte im Mai 1850 in das Marienthaler Schlösschen (heute zum Bad Liebensteiner Ortsteil Schweina gehörig) umziehen.
Diese Seite soll an die ersten Ausbilder und Schülerinnen erinnern. Manchmal weiß man heute schon nicht mehr viel mehr als ihren Namen, manchmal haben wir neben den Lebensdaten sogar noch ein Bild

bildungsanstalt marienthal

Zitate aus Briefen Fröbels sind entnommen aus: Helmut Heiland, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF (Hrsg.): Gesamtausgabe der Briefe Friedrich Fröbels, Link: https://editionen.bbf.dipf.de/briefedition-friedrich-froebel/

Zitate aus Briefen an Fröbel sind entnommen aus:
Mein lieber Herr Fröbel  - Briefe von Frauen und Jungfrauen an den Kinder- und Menschenfreund. Verlag Volk und Wissen, Berlin 1990 Im Auftrage der Kommission für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR herausgegeben von Helmut König unter Mitarbeit von Barbara König


Lehrer, Besucher, Freunde...

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Friedrich Wilhelm August Fröbel

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Friedrich Wilhelm August Fröbel

Geb.: 21. April 1782 in Oberweißbach
Gest.: 21. Juni 1852 in Marienthal

Der „Entdecker des wirklichen Kindes“ zog „lebendige Denkmäler“ solchen in Stein, Bronze und Eisen vor. Mit dem weltweit verbreiteten KINDERGARTEN hat er sich seines selbst geschaffen.

Er gründete 1849 zuerst in Bad Liebenstein, ab Mai 1850 im Marienthaler Schlösschen, die erste Kindergärtnerinnenschule der Welt, die damit wohl auch die erste Schule in Deutschland war, die Frauen den Weg in ein Berufsleben ermöglichte.

Freuen Sie nun aber sich, theilnehmende Freundin […] daß ich endlich aus dem Partheigetriebe heraus und in Marienthal bin. Hier bin ich nun mit meiner Idee ganz allein und pflege sie und suche meine vielfachen Verpflichtungen endlich zu lösen […]

Helmut Heiland, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF (Hrsg.): Gesamtausgabe der Briefe Friedrich Fröbels, Fröbel an Bertha v. Marenholtz-Bülow am 16. Mai 1850 (Marienthal)
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Luise Fröbel, geb. Levin

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Luise Fröbel, geb. Levin

Geb.: 15. April 1815 in Osterode/Harz
Gest.: 4. Januar 1900 in Hamburg

Ihre Herkunftsfamilie lebte in Nachbarschaft zur Familie des älteren Bruders Friedrich Fröbels, Johann Christian Ludwig Fröbel (1770-1866), in Osterode am Harz. Dies führte zu den Kontakten, in deren Folge sie Zugang zum "Fröbel­schen Kreis" fand und bei Friedrich Fröbel als Schülerin ausgebildet wurde.
In Bad Liebenstein und Marienthal war sie zur engsten Vertrauten Fröbels geworden. Im Jahre 1851 heirateten sie. Fröbel setzte sie als Vorsteherin des Marienthaler Ausbildungsseminars ein, das sie nach seinem Tode bis 1853 weiter führte. Sie hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der Kindergartenbewegung insbesondere in Russland und den USA.
1854 ging sie - nachdem sie in Keilhau wohl nicht den erhofften Einfluss und Respekt gewinnen konnte - nach Hamburg, wo sie 1860 einen Kindergarten gründete und Pädagoginnen ausbildete.

Am 4. Januar 1900 starb sie in Hamburg und wurde 6 Tage später nach der Beseitigung bürokratischer Unstimmigkeiten im Grabe Friedrich Fröbels beigesetzt.

Meine einzige, theure Luise.
Es ist Dir gelungen die erste zu seyn welche mich hier willkommen hieß. Vorgestern, Sonnabend Abend kam ich in Gesellschaft von Wilhelm Middendorff, der Emilie Stieler und einer anderen meiner Schülerin[nen], der Frau Herold hier an; ich stieg im Curhause ab und das erste was mir unsere liebe, theilnehmende Frau Wirthin entgegen brachte waren drei Briefe, unter welchen mir die Aufschrift des Deinen sogleich entgegen leuchtete, Du kannst Dir meine stille Freude, ja die Wonne meines Herzens denken […]

Fröbel an seine spätere Ehefrau Luise Levin am 7. Mai 1849 – zwei Tage nach seine Ankunft in Bad Liebenstein;
https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1849-05-07-01.xml

Johann Wilhelm Middendorff

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Johann Wilhelm Middendorff

Geb.: 20. September 1793 in Brechten, heute Stadt Dortmund
Gest.: 27. November 1853 in Keilhau, heute Ortsteil von Rudolstadt

Middendorff war ein deutscher evangelischer Theologe und Pädagoge. Er war Fröbels engster Freund und Mitarbeiter seit ihrem ersten Zusammentreffen bei den Lützower Jägern galt als der "zweite Mann hinter Fröbel". Seine Beiträge sind - nicht nur die Sache der Kindergärten betreffend - als durchaus wesentlich anzusehen. Darüber hinaus galt er bereits in Keilhau und später auch in Marienthal als die gute und einende Seele an Fröbels Seite.

Literatur:

Noch nie war das Leben ein so allseitig drängendes, es ist als sollte und wollte die Welt eine neue gebären, aber auch noch nie war es ein so allseitig und tief wurzelndes, wie sich allseitig und tief schönentwickelndes. Mein Kreis in seiner stillen, in sich abgeschlossenen Zurückgezogenheit erfreut sich der freundlichen duftigen Blüthen wie reichen und reifen Früchte desselben, wie, wegen seines Geistes der allseitigsten anerkennenden persönlichen Achtung.

Fröbel an Middendorff, 4. September 1849; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1849-09-04-01.xml
Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg

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Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg

Geb.: 29. Oktober 1790 in Siegen
Gest.: 7. Juli 1866 in Berlin

Diesterweg war neben Fröbel einer der bedeutendsten deutschen Pädagogen des 19. Jahrhunderts. Seit einem Kuraufenthalt 1850 war er mit Fröbel befreundet.

Mein geliebter Freund

Im freundlichen Liebenstein hörte ich, Du seyest soeben daselbst angekommen; so gleich suchte ich Dich auf; da ich Dich aber nicht traf hoffte ich Dich hier im lieblich friedlichen Marienthal zu finden; doch auch hier teuschte ich mich; darum ergeht von mir, von meiner lieben Hausfrau, der Dich liebend hochachtenden Luise, vom gemüthlich trefflichen Middendorff, von zwei erwachsenen Kindern und Sendlingen Barops, von der rüstigen und eifrigen Kindergärtnerin in Eisenach von der fleißigen Kindergärtnerin in Liebenstein und meinen 10, Dir sämtlich noch unbekannten Schülerinnen, an Dich die herzliche Bitte, Du möchtest doch bald nach Empfang dieser Zeilen uns alle durch Deine Gegenwart hier in Marienthal erfreuen um uns alle auf einen erhebenden Spaziergang in Gottes freie Natur zu begleiten.

Fröbel an A. Diesterweg, 21. April 1852 (Fröbels 70. Geburtstag!); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1852-04-21-01.xml#AD3

Henriette Schrader-Breymann

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Johanne Juliane Henriette Schrader-Breymann

Gest.: 14. September 1827 in Mahlum
Gest.: 25. August 1899 in Schlachtensee

Die Großnichte Fröbels war eine deutsche Pädagogin, Gründerin von Bildungs- und Erziehungsinstitutionen, Förderin der Fröbelpädagogik und der Frauenbildung.
Ab 1849 unterstützte sie ihn bei der Gründung der ersten Kindergärtnerinnen­schule der Welt – zuerst in Bad Liebenstein, dann im Marienthaler Schlösschen. In der Folgezeit kam es zwischen ihr und Fröbel zu Spannungen.

Sie gründete im Mai 1874 das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin.

Aus ihren Schriften:
Die Grundzüge der Ideen Friedrich Fröbels

Du weißt daß ich wegen […] Deines Lebens mehr im Denken, Erkennen, dem Begiffe auch wohl Gefühles als in der Ausführung, Anwendung und That mit Dir sehr unzufrieden war. Mit dem aber, mit welchem man in irgendeiner Beziehung nicht in Übereinstimmung oder wohl gar unzufrieden ist, dem muß man Gelegenheit geben das Andere, was wir für angemessener halten nicht nur auszuführen, sondern sogar lieb zu gewinnen. Diese Absicht ist es nun mit welcher dieser Brief zu Dir kommt: er wünscht Dir Gelegenheit zu geben als Kindergärtnerin ausübend thätig zu seyn.

Fröbel an Henriette Schrader-Breymann, 25. Mai 1850; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1850-05-25-01.xml

Bertha von Marenholtz-Bülow

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Bertha Maria Freifrau von Marenholtz, geb. Freiin von Bülow

Geb.: 5. März 1810 in Küblingen
Gest.: 9. Januar 1893 in Dresden

Sie lernte Fröbel während eines Kuraufenthaltes in Bad Liebenstein kennen und wurde zu einer der wichtigsten und einflussreichsten Anhängerinnen und Fortsetzerinnen der Ideen Fröbels.
Sie gilt bis heute als herausragende Persönlichkeit in der nationalen und internationalen Fröbelbewegung und hatte wesentlichen Einfluss auf die Aufhebung des preußischen Kindergartenverbotes 1862.

Darüber hinaus war sie eine der wesentlichen Protagonistinnen der frühen Frauenemanzipationsbestrebungen in Deutschland.

Hinweise zum hier verlinkten Bild:
Abbildung:
Führerinnen der Frauenbewegung 1894
Foto: Horst Ziegenfusz
Historical Museum Frankfurt, CC BY-SA 4.0
Mit Henriette Goldschmidt (oben Mitte rechts) und Lina
Morgenstern (rechts daneben) finden sich auf dem Bild zwei
weitere herausragende Vertreterinnen der Fröbelbewegung!

Endlich ist es mir, nach einem wirklichen Lebenskampf wieder möglich geworden für mein Leben und Wirken abermals einen festen Halt und einen sichern Ausgangspunkt zu finden; heut Vormittag nämlich an einem wunderschönen Morgen bin ich nämlich in Marienthal unter freudigem Willkommen seiner Bewohner: Frl. Luisen Levin und drei künftigen Schülerinnen, eingewandert.

Fröbel an Bertha v. Marenholtz-Bülow, 11. Mai 1850; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1850-05-11-02.xml
Rudolf Benfey

Rudolf Benfey

Geb.: 1820 in Nörten
Gest.: 1891 in Jena

Benfey war Lehrer, Schriftsteller und Redakteur und entwickelte sich ab Ende der 1840er Jahre zu einem Anhänger Fröbels und seiner pädagogischen Bestrebungen.

Er gehörte höchstwahrscheinlich den „Lichtfreunden“ – einer evangelisch-freikirchlichen Vereinigung des 19. Jahrhunderts – an. Daraus mag zu erklären sein, was Ottilie Schmieder in einem Brief an Fröbel am 6. Dezember 1850 schrieb:

Kürzlich hat mir Benfey geschrieben. Er ist in Göttingen; die preußische Regierung hat ihm die preußischen Staaten untersagt. So lebt er in Göttingen still in der Familie seines Bruders und hauptsächlich dessen Kindern.

Benfey veröffentlichte u.a.:

Was mich hier die wahre Offenheit und wirkliche Freundschaft […] auszusprechen drängt, das gilt darum keineswegs für Sie allein […], sondern gilt allen […] „mir Vertrauen Schenkenden“ […] jungen Männern […] - die Grundforderung der Zeit […] ist nach meiner festen Ueberzeugung eine durchgreifende Erneuung des Lebens durch die Erziehung, durch die Gesammterziehung Aller […].

Fröbel an Benfey, 27. November 1851; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1851-11-27-02.xml

Lehrer aus Salzungen und Steinbach

Lehrer aus Salzungen und Steinbach

An dieser Stelle soll an einige Lehrer aus der Umgebung erinnert werden, die die Bestrebungen Fröbels unterstützten und mit ihm in regem Austausch standen.

[…] wie ich in der Mitte des Monat Mai meinen Bildungskursus mit 9 Schülerinnen in dem freundlichen Marienthal begonnen habe. Die rege Theilnahme alter und neuer Freunde belebten bald den thätigen, frohen Kreis noch mehr, unter den ersteren waren besonders einige Volksschullehrer aus der Nachbarschaft.

Namentlich bekannt sind:

  • Rektor Lommer (Salzungen)
  • Mäurer (Salzungen)
  • Motschmann (Steinbach)

Fröbel an Anhänger der Fröbelschen Pädagogik in Hamburg, 22.10.1850; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1850-10-22-01.xml

Antonie de la Porte - der Beginn des Kindergartens im heutigen Wartburgkreis

Antonie de la Porte

Geb. um 1828, Sterbedatum unbekannt

Als 1849/50 die Kindergärtnerinnenschule ihre Arbeit begann, war Antonie de la Porte zwar schon nach Amerika ausgewandert. Sie soll hier aber Erwähnung finden, weil mit ihr die ersten Schritte der Kindergartenbewegung im heutigen Wartburgkreis - insbesondere in (Bad) Salzungen ab 1846 gegangen worden sind. Sie war von Fröbel vor der Gründung des Marienthaler Seminars bereits 1844 in einem seiner "Reisekurse" ausgebildet worden.

Aus einem Brief de la Portes aus Salzungen an Fröbel (27. April 1845):

Auch habe ich Ihren Auftrag an Herrn Superintendent Gleichmann und Herrn Rektor Lommer sogleich persönlich besorgt. Beide sagten, sie wären im Bezuge Ihres Erziehungsvereines ganz mit Ihnen einverstanden, würden auch tun, was sie könnten. Doch würde ihre Mühe ohne Erfolg bleiben. Sie sind damit beschäftigt, eine Kleinkinderverwahranstalt zu errichten, aber sie meinten, auch hiermit würde es sehr schwer fallen, […]

Ich glaube nicht, dass es hier etwas werden wird und dass ich hier vielleicht unterkommen könnte, deswegen wünschte ich bald in einen andern Wirkungskreis einzutreten.

Fröbel schrieb an Ida Seele – einst erste Kindergärtnerin in Blankenburg – nach Darmstadt am 23. November 1845:

[…] daß ich große Hoffnung habe Ihnen ein junges Mädchen senden zu können […] Es ist dieß die Ihnen schon zum Öfteren genannte Antonie de la Porte […] der Vater ist […] Oberlehrer an einer Volksschule in Salzungen im Meiningschen. […] Das Mädchen ist zwar erst ich glaube 17 Jahre alt, hat sich aber von frühe an im elterlichen Hause mit kleinen Kindern […] beschäftigen müssen […]
Fröbel an Ida Seele in Darmstadt v. 23.11.1845 (Keilhau); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1845-11-23-01.xml

Die ersten Schritte auf dem Weg zum Kindergarten wurden in Salzungen 1845 durch Antonie de la Porte getan, 1850 nahm bereits eine große Anzahl Salzunger Kinder am Spielfest auf dem Altenstein teil. 1851 muss es spätestens einen Kindergarten gegeben haben, denn Fröbel schrieb am 10. Dezember 1851 an Kantor Müller in Salzungen:

Sollten es nun Ihre Geschäfte nicht erlauben hierheraus nach Marienthal zu kommen, so würde mir der nun eingerichtete und sich im guten Fortgange befindende Kindergarten des Herrn Koch Gelegenheit geben, mich leicht mit Ihnen über das Zusammenstimmende der Spiele und der Spielliedchen zu verständigen […]
Fröbel an den Kantor Müller in Salzungen v. 10.12.1851 (Marienthal); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1851-12-10-01.xml

Antonie de la Porte wanderte mit ihrer Familie 1846 nach den USA aus.

Johannes Stangenberger

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Brief Fröbels an Stangenberger vom 2. April 1847

Johannes Stangenberger

Geboren 1820, Sterbedatum unbekannt

Stangenberger war Pädagoge, Organist und Publizist, so veröffentlichte er beispielsweise „Spiele für die Volksschule“.

Er leitete den Musikunterricht am Marienthaler Seminar

Lassen Sie uns versuchen, ein Gemüt- und Geistvolles wie friediges, freudiges und zwangloses Lebensganzes darzustellen, dass die Wirkung davon durch die, unser Leben beachtenden Badegäste, zum Segen Vieler hinaus in die Welt wandere. Ich denke mir so unser Leben nicht nur schön, sondern auch Früchte bringend, und das dass es dies werde, dünkt mich hängt nur von uns ab.

Fröbel an Stangenberger, 10. März 1851; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1851-03-10-01.xml

Karl August Varnhagen von Ense

220px Karl Varnhagen von Ense 1839 Zeichnung von Samuel Friedrich Diez

Karl August Varnhagen von Ense

Geb.: 21. Februar 1785 in Düsseldorf
Gest.: 10. Oktober 1858 in Berlin

Den Tagebüchern v. Enses verdanken wir Informatio­nen aus der Entwicklungs­periode in Deutschland von der Romantik über die Revolution von 1848 bis zum sich anschließenden Jahrzehnt der Reaktion. Er stand in engem Kontakt zu Bertha v. Marenholtz-Bülow, die sich nach dem preußischen Kindergartenverbot von 1851 für den Fröbelschen Kindergarten einsetzte. v. Ense besuchte Fröbel in Marienthal.

Aus den Tagebuchaufzeichnungen v. Enses:

DIENSTAG, DEN 26. AUGUST 1851.
[...] nachmittags Fahrt nach Marienthal zu Friedrich Fröbel. Die lernenden Kindergärtnerinnen vor dem Hause […] Fröbel, siebzigjährig, voll Geist und Feuer, setzt sich mit uns hin, und erklärt seine Erziehungsweise.
[…] Er war sehr aufgeregt durch das eben erschienene Verbot seiner Kindergärten in Preußen […]

MITTWOCH, DEN 8. OKTOBER 1851.
[...] Bericht über Fröbel und Anerkennung seiner Verdienste durch eine Versammlung von Pädagogen, die seine Sache untersucht haben. In der "Nationalzeitung", mit allen Namensunterschriften. Ohrfeige für den Minister von Raumer, seine Dummheit muss der Fröbelschen Sache noch Nutzen bringen. […]

Karl August Varnhagen von Ense: Tagebücher. 14 vols. Hg. v. Ludmilla Assing. Leipzig/Zürich/ Hamburg 1861-1880; Bd. 8 (1865), S. 311 und 366

… und in der Tat: Die Sache Fröbels zog auch Nutzen daraus, denn manche Kindergärtnerin ging nun ins Ausland und es begann somit die weltweite Verbreitung der Kindergartenidee.

 

Georg und Ernst Luther

Georg und Ernst Luther

Georg Geb.: um 1803
Ernst Geb.: um 1807
weitere Lebensdaten unbekannt

Fröbels Vorliebe für „lebendige Denkmäler“ führte ihn auch dazu, seinem „Glaubenshelden“ Martin Luther ein solches setzen zu wollen.

Er holte ein Jahr nach dem 300. Reformationsjubiläum im Frühjahr 1818 zwei Nachfahren aus dem Luther’schen Familienkreise aus dem Lutherstammort Möhra an seine Keilhauer Anstalt, um ihnen zu ermöglichen, ihrem großen Vorfahren nachzueifern.

Georg Luther ging 1825 von Keilhau ab und wurde tatsächlich Theologe. Ernst erlernte den Beruf eines Steinmetzen. Er verwirklichte nach Entwürfen Middendorffs den ersten Grabstein Fröbels (siehe Abb.), das heute weltweit bekannte Symbol der aufeinandergestellten Teile der zweiten Spielgabe (Kugel, Walze, Würfel). Dieser Stein steht heute auf „Fröbelsruh“.

Zur Beisetzung Fröbels am Johannestag 1852 bekundete Ernst Luther, dass 1818 ihr Weg mit Fröbel nach Keilhau auch durch Schweina geführt hatte.

Wie unsere Pflegesöhne Georg und Ernst leben und wie es ihnen geht, so wie, daß sie noch ganz gesund sind, werden Sie am besten und sichersten aus dem Munde des Vaters derselben vernehmen. Was meine und unsere Zufriedenheit mit denselben betrifft, so finde ich alles bestätigt was Sie so gütig waren mir besonders über den ältesten Luther auszusprechen, und sie vermehren täglich die gute Hoffnung die ich von ihnen gehabt habe und noch habe.

Fröbel an Pfarrer Arnold in Möhra, 11. Mai 1818; https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1818-05-11-01.xml

Jan Daniel Georgens

Jan Daniel Georgens

Geb.: 12. Juni 1823 in Leistadt (heute zu Bad Dürkheim)
Gest.: 9. November 1886 in Bad Doberan

Nach dem Besuch des Kaiserslauterner Lehrerbildungsseminars 1841-1843 folgten verschiedene Lehranstellungen, bis er 1848 die Leitung einer Schule für „höhere Töchter“ in Worms übernahm.

1850 gründete er den ersten Fröbelkindergarten in Baden-Baden. Er stand mit Friedrich Fröbel in engem brieflichen Kontakt und unterstützte – insbesondere auch nach dem preußischen Kindergartenverbot – dessen Bestrebungen.So war er auch Teilnehmer an der Pädagogenversammlung in Marienthal vom 27.-29. September 1851.

Unsere Pädagogenversammlung brachte auch unser innerstes wie äußeres Leben wieder einander näher. Ich gestehe offen und es wird Ihnen auch wohl noch im Gedächtniß seyn, ich brachte viel, und oft vom Leben darauf geführt von Neuem Ihr geistiges Wirken, geschätzter Freund, mit dem meinen in mir in eine enge, ernste und bleibende Verknüpfung […]

Fröbel an Georgens, 24. Oktober 1851 (Marienthal); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1851-10-24-01.xml

1852 wurde Georgens Hauslehrer bei einer adligen Familie in Wien. Hier widmete er sich ab 1856 auch der Heilerziehungspflege und wurde zu einem ihrer Protagonisten.Nach seinem Eintritt in den Ruhestand trat er als pädagogischer Schriftsteller in Erscheinung. Unter anderem tat er sich durch die Propagierung der von Gustav Lilienthal entwickelten Anker-Steinbaukästen als Spiel- und Lernmittel hervor.

Eleonore Heerwart

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Eleonore Heerwart

Geb.: 24. Februar 1835 in Eisenach
Gest.: 19. Dezember 1911 in Eisenach

Die Kindergärtnerin, Pädagogin und Schriftstellerin hat sich um die Wirkung und Nachwirkung der Fröbelschen Kindergartenidee herausragende Verdienste erworben.

Eine Briefnotiz von Henriette Bothmann lässt darauf schließen, dass sie im Alter von 15 Jahren bereits den Winterkursus 1850/51 in Marienthal besuchte:
Wie ich höre, soll Fräulein Heerwart, wenn sie von Marienthal zurückkommt, die Hälfte von meinen Kindern übernehmen, wo dann freilich noch viele in den Kindergarten ausgenommen werden sollen. 
(Henriette Bothmann an Fröbel, 20. Januar 1851)

Ihre Initiative zur Gründung eines Fröbelmuseums in (Bad) Blankenburg konnte dort erst ein Jahr vor ihrem Tod verwirklicht werden, so dass das erste Fröbelmuseum 1902-1910 in ihrer Wohnung in Eisenach bestand. Ab 1861 wirkte sie für mehr als 20 Jahre in England.

Aus ihrem umfangreichen literarischen Schaffen:

  • Explanation of the Kindergarten System. London 1871.
  • Music for the Kindergarten. London 1877.
  • The Kindergarten-System. Edinburgh 1883.
  • Der Zweck und das Ziel der Fröbelschen Gaben Mit einer erläuternden Tabelle Hofbuchdruckerei Eisenach, H. Kahle, 1894
  • Wegweiser für Mütter und Erzieherinnen bei der Anschaffung und Verwendung von Fröbelschen Spielgaben und Beschäftigungsmitteln. Berlin 1897.
  • Einführung in die Theorie und Praxis des Kindergartens. Leipzig 1901.
  • Die Mutter als Kindergärtnerin. Leipzig 1904.
  • Fünfzig Jahre im Dienste Fröbels. (zwei Bände) Eisenach 1906.
  • Anwendung der vier Grundsätze Friedrich Fröbels auf die Erziehung in der Familie, im Kindergarten, in der Bewahranstalt und in der Schule sowie im täglichen Leben Druck und Verlag der Hofbuchdruckerei Eisenach (H. Kahle) ohne Datum.
Hermann Pösche

Hermann Pösche

Geb.: 1826, Sterbedatum unbekannt

Der in Nordhausen tätige Hauslehrer und Mitglied der freien Gemeinde entwickelte sich zum Anhänger Friedrich Fröbels. Er weilte einige Zeit in Marienthal und wirkte darüber hinaus ab 1851 bei J. D. Georgens in Baden Baden. Er propagierte Fröbels Ideen und war publizistisch tätig.

Aus seinem publizistischen Schaffen:

  • Die Ball- und Turnspiele Friedrich Fröbels für Haus Kindergarten und Schule
  • Das Leben der Natur im Kreislaufe des Jahres : seine heimischen Erscheinungen im harmonischen Zusammenhange
  • Fröbels entwickelnd-erziehende Menschenbildung (Kindergarten-Pädagogik) als System.
  • Das Leben der Hausthiere und ihre Stellung zur Familie, Staat und der Landwirthschaft. Ein Familienbuch
  • Die sprachliche Entwicklungen und der sprachliche Unterricht des Kindes im Kindergarten
  • Thiergeschichten für die Jugend. Unsere lieben Hausfreunde in Heimat und Fremde: was sie uns nützen und womit sie uns erfreuen
  • Die Ball- und Turn-Spiele F. Fröbels. Für Haus, Kindergarten
  • Fröbels Kindergarten-Briefe
Ida Seele - die allererste Kindergärtnerin

seele

Ida Seele

Geb.: 20. April 1825 in Nordhausen
Gest.: 15. Oktober 1901 in Nordhausen

„Fröbels Ida“ war die erste Kindergärtnerin der Welt. Sie entstammte ärmlichen Verhältnissen und konnte aus Geldmangel den von ihr erwünschten Lehrerberuf nicht ergreifen. 1843 wurde sie von Fröbel zur ersten Kindergärtnerin ausgebildet und übernahm danach auch den ersten, 1840 in Blankenburg gegründeten Kindergarten.

Ab 1844 wirkte sie als Kindergärtnerin an der unter der Leitung von J. Fölsing stehenden Kinderbewahranstalt in Darmstadt.

Für kurze Zeit war sie Leiterin einer Höheren Mädchenschule in Landsberg an der Warthe. 1860 nach Berlin zog sie nach Berlin und leitete dort Kindergärten und leitete ein Kindergärtnerinnenseminar.

1865 heiratete sie Wilhelm Vogeler. Auf ihrem Grabstein in Nordhausen finden sich die Worte: „Hier ruht die erste Kindergärtnerin der Welt – genannt Fröbels Ida“.

Ein liebender, besonders frommer und Gott vertrauender Sinn ist, wie anerkannt die sichere Grundlage ächter Pflege und seegensreicher Führung ganz vor allem der Erziehung der Kinder in den ersten Lebensjahren bis zur Schulfähigkeit; da Sie sich nun, nach der Gesammtheit der Mittheilungen Ihres Briefes dieser Himmelsgabe erfreuen, so dürfen Sie auch ganz gewiß der von Ihnen als Ihr eigentlicher, und höherer Beruf erkannten Wirksamkeit mit Vertrauen entgegen gehen. […]
Fröbel an Ida Seele, 2. Februar 1843 (Keilhau);https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1843-02-02-01.xml

Aus ihren Veröffentlichungen:


Schülerinnen des Liebensteiner/Marienthaler Seminars (1849-1852)

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Selma Behrens

Selma Behrens, geb. von Stückradt

Keine Lebensdaten bekannt

Selma Behrens nahm am Kursus 1851 in Marienthal teil. Nach ihrer Scheidung nahm sie ihren Mädchennamen wieder an. 1851 unternahm sie eine Reise zum Besuch verschiedener Kindergärten.

Sehr freundlich von der Regierungsrätin und einigen anderen Damen empfangen. In Koblenz hörte ich denn, dass der Befehl wirklich nun in den Zeitungen zur Schließung der Kindergärten und zur Verweigerung der Erlaubnis in der ganzen preußischen Monarchie erschienen war.
Meinen Schreck können Sie sich, verehrter Herr, denken, als ich es selbst gedruckt las. Was war zu machen? Ich ließ den Mut nicht sinken, ging zum Landrat, Graf von Voß, zum Oberpräsident von Kleist-Nehmzow. Bei Letzterem wurde mir und meiner Schwester der Vorwurf gemacht, dass wir nicht gut preußisch gesinnt wären […]
(Selma Behrens an Fröbel, 29. August 1851)

Emma und Henriette Bothmann

Emma und Henriette Bothmann

Keine Lebensdaten bekannt

Beide Schwestern entstammen der Familie eines Fuldaer Amtsaktuars mit sieben Kindern. Emma Bothmann gehörte zu den ersten Kursteilnehmerinnen, die (noch im heutigen Hotel „Fröbelhof“) in Bad Liebenstein ihre Ausbildung erhielten. Henriette folgte 1850. Sie erhielt ihre Ausbildung in Marienthal.

Meine Schwester Henriette hat sich nun auch ziemlich fest entschlossen, im Mai zu Ihnen zu gehen, und wenn meine Mutter, die diesen ganzen Winter bettlägerig war, nicht von neuem erkrankt, so wird sie es bestimmt ausführen. Für diese möchte ich nun ganz besonders um Ihre väterliche Liebe und Nachsicht bitten, da es meine liebste Schwester ist ...
(Emma Bothmann an Fröbel, 16. März 1850)

Besonders bemerkenswert ist, dass Fröbel in einem umfangreichen Brief an Emma Bothmann 1852 noch kurz vor seinem Tode seine Überlegungen zu einer „Vermittelungsschule“ als Bindeglied zwischen Kindergarten und Schule darlegte.
Mehrfach war in Briefen seiner Schülerinnen an ihn die Bitte herangetragen worden, Fragen des Überganges von der „Spielpflege“ im Kindergarten zum „erziehenden und bildenden Unterricht“ der Schule zu klären.

Ob Sie von allem hier Gesagten die Anwendung auf alle und jede Einzelfor­derung Ihrer Vermittelungsschule machen können, ist freilich eine Frage, […] denn ich kann und mag wirklich nicht voraussetzen, daß Sie mich selbst durchweg im Allgemeinen werden verstanden haben; allein, wie gesagt, ohne ein aufklärendes Zwiegespräch und ohne vermittelnde Anschauung läßt sich auf dieser Stufe schwerlich vollkommene und allseitige Klarheit […] erreichen, jedoch sehen Sie wenigstens aus der Bestimmtheit, mit welcher ich mich über alle diese Forderungen und Leistungen ausspreche, daß ich dieselbe zu erreichen für möglich erachte, […]
Fröbel an Emma Bothmann, 25. Mai 1852 (Marienthal);https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1852-05-25-01.xml

Hermine Diesterweg

Charlotte Johanne Lisette Hermine Diesterweg

Geb.: 2. Oktober 1818 in Wuppertal
Gest.: 1858 in Berlin

Zwischen den beiden bedeutenden Pädagogen Friedrich Fröbel und Adolph Diesterweg entwickelte sich in Bad Liebenstein und Schweina eine tiefe Freundschaft. Als beredtes Zeugnis dafür mag gelten, dass sich Diesterwegs Tochter Hermine 1850 entschloss, am ersten Marienthaler Ausbildungskurs teilzunehmen.

Schließlich sage ich Ihnen nun noch tausend freundliche Grüße und Empfehlungen für Frau von Marenholtz und alle meine lieben Mitschülerinnen!!
Möchten dieselben nicht ganz meiner vergessen haben, sondern ich in freundlichem Andenken bei ihnen stehen!!
Es interessiert mich sehr zu hören, wohin eine jede das Schicksal führt. - Der Vater lässt sich nächst Ihnen und der Fräulein Levin auch der Frau von Marenholtz bestens empfehlen. […]
Leben Sie wohl, mein teurer, geliebter Lehrer! Gott lohne Ihnen, was Sie an der Menschheit für das Wohl der Kindheit, was Sie auch an mir getan!

In innigster Dankbarkeit

Ihre ergebene Hermine Diesterweg
(Brief an Fröbel vom 10. Oktober 1850)

Helene Ehlers

Helene Ehlers

Keine Lebensdaten bekannt

Helenes Mutter, Johanna Ehlers, war in Hamburg sehr um die Förderung der Fröbelschen in Marienthal bemüht.

Helene Ehlers war Teilnehmerin des Ausbildungskurses 1849 in Bad Liebenstein und setzte die Ausbildung 1849/50 in Hamburg fort. 1850 bis 1851 wirkte sie als Kindergärtnerin in Kassel, musste wegen Erkrankung ihre Berufstätigkeit danach jedoch aufgeben.

Wie sie gewiss schon von meiner lieben Mutter in Gotha gehört haben werden, dass ich am Freitag, dem 10. Mai, mit vier Kindern den Kindergarten eröffnet habe. Es war von Herzen wenig, doch ich denke, das ist weit besser: der Anfang sei klein und der Fortgang sei desto blühender. Es war wirklich merkwürdig, die kleinen Kinderchen hatten mich in den ersten Tagen gleich so liebgewonnen und mochten so gern bei mir sein, denn wenn sie abgeholt wurden, riefen sie wie aus einem Munde: „Wir bleiben noch hier, wir gehen nicht mit nach Hause." Sie können sich gewiss recht lebhaft vorstellen, wie meine Freude groß war, solches gleich in den ersten Tagen zu hören.
(Helene Ehlers an Fröbel, 2. Juni 1850)

Babette Fischer

Babette Fischer

Keine Lebensdaten bekannt

Babette Fischer war Kleidermacherin, nahm dann aber 1851 an einem Ausbildungskurs in Marienthal teil. Zurück in Nürnberg ereilte sie die Nachricht vom preußischen Kindergartenverbot, welches auch in Franken – wie der folgende Briefausschnitt belegt – zur Schließung von Kindergärten führte:

Sehr schmerzlich wäre es, wenn die Äußerungen von verschiedenen Seiten […] sich verwirklichen sollten, nämlich: dass durch den Einfluss der Höhern Mächte Herrn Professor Fröbel verboten würde, Schülerinnen anzunehmen. Ich und viele andere wollen es nicht hoffen, aber möglich scheint […] mir bei jetziger Bewegung alles, und dieses ist eigentlich der Hauptgrund, warum ich nochmals an Sie schreibe. Dass der Fürther Kindergarten vorige Woche geschlossen werden musste, wird Herrn Professor nicht unbekannt sein, doch glauben wir alle nur auf kurze Zeit. […]
(Babette Fischer an Fröbel, 9. Oktober 1851)

Babette Fischer selbst wurde ab 1852 Erzieherin zweier Kinder eines Grafen in Baade.

Emilie Hartmann

Emilie Hartmann, geb. Luckhardt

Geb.: um 1825, weitere Lebensdaten unbekannt

Emilie Hartmann nahm am Ausbildungskursus 1850 in Marienthal teil und wirkte danach zuerst bis 1851 im Kindergarten in Kassel, danach bei Jan Daniel Georgens in Baden-Baden.
Sie wollte den Kindergarten Kassel auf eigene Kosten weiterführen.
Emma Eggena berichtet jedoch in einem Brief an Fröbel vom 20. April 1852:

Ich wollte, ich könnte nun schließen, damit ich den freundlichen Eindruck […] nicht noch trüben müsste! Aber ich halte es für meine Pflicht, Sie in Kenntnis zu setzen, dass leider unser Kindergarten aufgehört hat. Das Wirken der Frau Hartmann war ein recht tüchtiges. Nur fürchte ich, dass ihr eigenes Unglück sie etwas ihrer Energie beraubt hat, denn sie hatte nicht Waffen genug gegen alle die Unannehmlichkeiten, die sich ihr entgegenstellten, anzukämpfen.

Hier forderte wohl auch das preußische Kindergartenverbot seinen Tribut.

Johanna Hebart

Johanna Hebart

Lebensdaten unbekannt

Johanna Hebart schrieb aus Nürnberg an Fröbel am 19. August 1850:

Schon seit längerer Zeit den Wunsch hegend, Kindergärtnerin zu werden, bin ich durch Frl. Bothmann aus Schweinfurt so sehr in demselben bestärkt worden, dass ich denselben alsbald zur Ausführung bringen möchte. Ich erlaube mir deshalb an sie die Frage, ob ich wohl zu den im Oktober beginnenden Lehrkursus noch eintreten kann, […]

Sie konnte am Winterkursus 1850/51 teilnehmen und nahm danach in Nürnberg ihre Tätigkeit auf. Ein zwischenzeitlicher Brief kündet von der Freude, die sie in der Arbeit mit den Kindern hatte aber auch von manchem Problem. Bald hatte jedoch auch hier das preußische Kindergartenverbot Folgen:

Am liebsten bliebe ich hier. Und doch möchte ich Ihnen nicht wehe tun und auf die Benennung „Kindergarten" verzichten. Und doch wird mit dieser Benennung mein Gesuch von vornherein mit „Nein" beantwortet. Der diesige Bürgermeister hat mir das augenblicklich gesagt, als ich ihn um Rat fragte. „Reichen Sie einen Plan ein", sprach er, „nur lassen Sie den Kindergarten fahren, nennen Sie die Anstalt, wie Sie denken, nur nicht Kg." Ein schlechter Trost. Wer weiß, ob ich die Erlaubnis erhalte, wenn ich der Sache auch einen andern Namen gebe.
(Brief an Fröbel, 8. Dezember 1851)

Bernhardine Herold

Bernhardine Herold

Lebensdaten unbekannt

Die Tochter eines Predigers und Witwe eines Landwirts begann ihre Ausbildung 1848 in Dresden und setzte diese dann 1849 in Bad Liebenstein fort.

Dieß möchte nun wohl der letzte Brief von hier seyn, den nächsten wirst Du gegen den 10. Mai aus Liebenstein erhalten. Am 7. Mai gedenke ich dort den neuen Cursus wo möglich schon zu beginnen. Frau Herold aus Gotha, Emilie Stieler werden zunächst dort meine ersten Schülerinnen […] seyn.
Fröbel an Luise Levin, 25. April 1849 (Dresden); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1849-04-25-01.xml

Bernhardine Herold wirkte nach ihrer Ausbildung – wie es Fröbel auch selbst bezeugte – mit großem Erfolg in Gotha – mit 45 – 50 Kindern!

Vor etwa 3 Monaten wurde ein Knabe von ungefähr 4 Jahren dem hiesigen Kindergarten zur Pflege anvertraut, welcher an Verdorbenheit des Gemüts alles zu übertreffen schien. Schlagen, Beißen, Kratzen usw. waren seine Beschäftigung. Zu keinem Spiele, zu keiner nützlichen Tätigkeit war dieser Knabe zu bewegen. […] So gingen die ersten zwei Monate vorüber, ohne dass eine gewünschte Veränderung, trotz aller angewandten Mühe, sich an dem Knaben ergeben hätte. Doch jetzt, nach Verlauf von 3 Monaten, ist eine große Umwandlung mit diesem Knaben vor sich gegangen. Ein lieber, ein folgsamer Knabe ist aus einem ganz verwilderten, jedenfalls durch falsche Erziehung verdorbenen Knaben geworden - welcher mir jetzt doppelte Freude macht.
(Bernhardine Herold an Fröbel, 18. April 1850)

Luise Hertlein

Luise Hertlein

1821 - 1897

Luise Hertlein aus Wien nahm am Kursus in Dresden 1848/1849, sowie am Kursus in Bad Liebenstein 1849 teil. Seit 1849 war sie Kindergärtnerin bei Dorothea E. Lütkens in Hamburg.
Später heiratete sie den einem weitverzweigten Theologengeschlecht entstammenden Moritz Conrad Ernst Wehrenfennig (1826–1895). Beide wurden für ihr caritatives Wirken berühmt. Sie gründeten eine Kleinkinderschule und ein evangelisches Erziehungsheim in Goisern, das heute noch bestehende „Luise-Wehrenfennig-Haus“.

Zuletzt, als ich alle Fragen glaubte beantwortet zu haben, fragte ein Knabe: „Wenn aber Herr Fröbel alle Kinder lieb hat, und wenn er will, dass wir mit den schönen Spielsachen spielen sollen, warum müssen wir sie immer hier lassen, warum schenkt er sie uns nicht ganz, damit wir auch nn Hause damit spielen können?" –
Sind solche Bemerkungen der Kleinen nicht der deutlichste Beweis, dass das, was Ihnen hier geboten wird, ihr ganzes Wesen befriedigt!
(Luise Hertlein an Fröbel, 18. März 1851)

Lisette Kirchner

Lisette Kirchner

Lebensdaten unbekannt

Lisette Kirchner aus Oberndorf bei Schweinfurt nahm am Winterkursus 1850/51 in Marienthal teil. Sie traf das in Bayern restriktiv gehandhabte Kindergartenverbot besonders hart – sie erhielt 1851 eine Ausweisung als Kindergärtnerin aus Nürnberg. Hintergrund war, dass der Fröbelsche Kindergarten regen Zuspruch bei freikirchlichen Vereinigungen (wie beispielsweise den evangelischen Lichtfreunden wie auch den Deutschkatho­liken) fand und man dort einen Hort des Atheismus zu entdecken glaubte.

Wie ich höre, ist Ihrer Mitgenossin, welche sich zur freien Gemeinde bekennt, ausgesprochen worden, daß es ihr gestattet werden würde, unter ihrem Namen selbstständig einen Kindergarten auch mit diesem Namen fortzuführen, wenn sie zur Mutterkirche zurückkehre. Sie, meine liebe Lisette, sind nun aber keines­wegs aus der Mutterkirche ausgetreten, sondern stehen noch innerhalb dersel­ben, […] dieß halte ich nun der Bedeutung des Gegenstandes halber für höchst wichtig, […].
Fröbel an Lisette Kirchner, 23. November 1851 (Marienthal); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1851-11-23-01.xml

Im Dezember 1851 schrieb Lisette Kirchner an Fröbel:
Sie werden es nicht ungütig nehmen, wenn durch das Ausweisen von Nürnberg ich etwas gewitzigt wurde und bei einem ferneren Unternehmen die Sache mit mehr Überlegung angehen werde. Ich bin allerdings von Ihrer väterlichen Gesinnung überzeugt und stelle deshalb die Bitte, für mich ferner zu sorgen und mich mit der Leitung eines Kindergartens zu beglücken; denn ich stehe jetzt verlassen da und kann mich in meiner gegenwärtigen Lage nur an Sie wenden. Recht herzlich möchte ich Sie um das Zeugnis bitten, denn wo ich mich hinrichte, so wird man danach fragen.

Fröbel schreibt in einem Brief an Henriette Schrader Breymann vom 24. März 1852 noch:
Wird die Anstalt nächst Bretten im Badenschen noch ausgeführt und hat Lisette Kirchner Hoffnung sie zu bekommen?
https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1852-03-24-01.xml

Fröbel ging das Schicksal seiner Schülerin wohl noch wenige Wochen vor seinem Tode besonders nahe.

Emilie Knauer

Emilie Knauer

Geb.: um 1832, Sterbedatum unbekannt

Die aus Sundhausen stammende Emilie Knauer entschied sich aus Kenntnis des Kindergartens in Nordhausen für den Beruf der Kindergärtnerin. Sie nahm darauf hin am Marienthaler Kurs von 1851 teil. Im selben Jahr trat sie in den Kindergarten von Heinrich Hoffmann in Hamburg ein.

Die Kinder empfingen mich aufs Freundlichste und Liebevollste, […]. Auf Herrn Hoffmanns Anordnung stellten sie sich in Kreis, falteten ihre Händchen als ein Körbchen, hatten darin Blumen gelegt und sangen: „Kindchen, wollen ein Körbchen machen -----wollen die Blumen der Emmi bringen-------" und warfen mir lächelnd die Blumen zu und umringten mich fest und innig.
(Emilie Knauer an Fröbel, 26. Oktober 1851)

Leider war dieses Glück wohl nicht lange von Bestand. In einem Brief an Henriette Schrader Breymann vom 24. März 1852 schreibt Fröbel:
Durch Hoffmanns ungünstiges Geschick in Hamburg verliert Emma Knauer […] ihre Wirksamkeit in Hamburg und wird zunächst nach Hause gehen.

Bemerkenswert - In oben genanntem Brief von E. Knauer an Fröbel liest man:
Hier in Hamburg hat sich das Gerücht verbreitet, es hat auch in einigen Blättern gestanden, dass Friedrich Fröbel in der nächsten Zeit nach Amerika reisen würde, um sich für seine Schöpfung einen wirtbareren Boden zu suchen. […]

Fröbel hatte nach dem Kindergartenverbot wohl tatsächlich gegenüber dem  Bruder seiner Frau, August Levin, der in Philadelphia wohnte, diese Absicht geäußert. So ist es zwei Briefen von August Levin vom April und Mai 1852 zu entnehmen.

Bertha Ronge und Margarethe Schurz, beide geb. Meyer

schurz

 

Margarethe Schurz, geb. Meyer

Bertha und Margarethe Meyer

Lebensdaten Bertha:
Geb.: 25. April 1818 in Hamburg, verh.: Traun, 2. Ehe: Ronge
Gest.:18. April 1863 in Frankfurt am Main

Lebensdaten Margarethe:
Geb.: 27. August 1833 in Hamburg; verh.: Schurz
Gest.: 15. März 1876 in New York

Der Vater der Schwestern war ein wohlhabender Hamburger Fabrikant. Bertha heiratete 1834 und gebar in ihrer ersten Ehe sechs Kinder. 1846 lernte sie den Gründer des Deutschkatholizismus, Ernst Ronge kennen, der seine Reformbestrebungen auch mit der Forderung nach Frauenemanzipation verbunden hatte. 1849 weilte sie bei Fröbel in Bad Liebenstein.

Es gab mir Ihre Bekanntschaft ein so erhebendes, Mut und Vertrauen belebendes Beispiel, und es stahl sich auch zugleich eine tiefe ernste Wehmut in mein Herz. Nicht wahr, das sind wieder Gegensätze in unserm Gefühlsleben, die sich vereinen und vermitteln lassen müssten, und dazu erschien mir allein die Tat fähig, […]
(Bertha Traun an Fröbel, 14. Oktober 1849)

Nach der Scheidung von Traun wanderte sie mit Ronge nach England aus, wo beide heirateten. Sie gründete in Manchester einen Kindergarten und eine Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen sowie 1857 die „Manchester Froebel Society“.

Margarethe war Schülerin an Karl Fröbels Hochschule für das weibliche Geschlecht in Hamburg und danach Kindergärtnerin am 1. Hamburger Bürgerkindergarten. Nach der Heirat mit Carl Schurz emigrierte sie 1852 mit ihm in die USA und gründete 1856 in Watertown (Wisconsin) den ersten Kindergarten in den USA.

Margarethe Schurz wird neben Elisabeth Peabody in den USA noch heute als Begründerin der US-amerikanischen Kindergartenbewegung verehrt.

Liddy Opitz

Liddy Opitz, geb. Sello

Lebensdaten unbekannt

Liddy Opitz war Teilnehmerin am Ausbildungskursus 1851 in Marienthal. Wenige Wochen, nachdem sie Marienthal verlassen hatte, schreibt sie an Fröbel in einem Brief vom 19. November 1851:

Aber ganz anders erscheint mir jetzt der Kindergarten, als wie ich von hier fort ging. Jedes Kind hat für mich eine höhere Bedeutung gewonnen, und was mir früher als ein recht beschwerliches Amt vorkam, macht mir jetzt unendliche Freude. Diese hohe Freude habe ich Ihnen, hochverehrter Herr Fröbel, zu danken, und mein Streben soll sein, Ihnen meinen Dank dadurch zu beweisen, dass ich alle die guten Lehren, die Sie uns gegeben, recht ernst beachte und eine treue Kindergärtnerin werde […]

Sie übernahm den Kindergarten in Schweinfurt. Ein Brief vom 21. Mai 1852 kündet von ihrem herzlichen Verhältnis zu Fröbel:

Mein Kindergarten ist sozusagen noch im Entstehen, da früher nur immer 12-15 Kinder darin waren, die mehrenteils in die Schule übergegangen sind, der Kindergarten aber jetzt 34 Kinder zählt […]
Einige Knaben habe ich, die mir viel Sorge machen, da die Erziehung im Hause der meinigen gerade entgegen ist, doch gebe ich die Hoffnung noch nicht auf. […]
Ihnen, verehrter Herr Fröbel, wünsche ich alles Gute, ja das Beste, was nur der Mensch erreichen kann, und bitte Sie, noch recht herzlich mich bald einmal mit ein paar Worten von Ihrer Hand zu erfreuen. […]
Mein Martin begrüßt jeden Morgen Ihr Bild mit dem Rufe „Onkel, Onkel"; er geht schon fleißig mit in den Kindergarten.

Minna Schellhorn

Schellhorn

 

 

Minna Schellhorn

1829 - 1910

Sie gehört zu den Schülerinnen, die im Sommer 1851 in Marienthal die Diskussionen und die Auswirkungen bezüglich des preußischen Kindergartenverbotes erlebten.
Im November 1851 gründet sie den ersten Kindergarten in Weimar, den sie bis 1897 gemeinsam mit ihren beiden Schwestern führte. Dieser Kindergarten und insbesondere ihre Gründerin erfreuten sich zunehmenden Ansehens auch über die Grenzen Weimars hinaus.

Mit ihrem Buch „Fröbels Minna – Leben und Wirken der ersten Weimarer Kindergärtnerin Minna Schellhorn“ hat 2021 die Schriftstellerin Kirsten Seyfarth ihr ein würdiges Denkmal gesetzt.

Meine sehr geschätzte, liebe Minna!
Zuforderst Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihren lieben Brief und für die erfreuliche Nachricht von dem guten Fortgang Ihres Unternehmens. Es ist mir ein Beweis, daß ein Werk, welches mit so vielseitigem Vertrauen, wie das Ihrige begonnen, dadurch sichern Grund und freudige Kraft des Wachsthums hat; möge dieser Segen ferner auf ihm ruhn.

Fröbel an Minna Schellhorn, 31. Mai 1852 (Marienthal - Fröbels letzter Brief vor seinem Tode); https://editionen.bbf.dipf.de/exist/apps/briefedition-friedrich-froebel/briefe/fb1852-05-31-01.xml

Ottilie Schmieder

Ottilie Schmieder

Geb.: 1. September 1815 in Dresden
Gest.: 19. Oktober 1891 in Maria Enzensdorf/Niederösterreich

Ottilie Schmieder nahm an der Pädagogenversammlung 1848 in Rudolstadt teil, die der in der Frankfurter Paulskirche tagenden Nationalversammlung die Sache der Kindergärten empfahl. 1848/1849 absolvierte sie den Ausbildungs­kursus in Dresden. Für kurze Zeit weilte sie auch in Marienthal zu einer Diskussion über Frauenemanzipation.

Sie wirkte als Kindergärtnerin in Dresden und wirkte dort für Vereine für Friedrich Fröbels Erziehungsbestrebungen. Später ging sie nach Wien, wo sie ab 1855 nach ihrer Heirat mit dem Journalisten Otto Bernhard Friedmann (1824–1880) auch lebte.
Im „Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert“ ist sie als Autorin eines Romanes („Ein Diplomat“ 1853) sowie von Erzählungen für Kinder und von Novellen verzeichnet.

Es ist mir ein großes Herzensbedürfnis, Ihnen zum Schluss dieses Jahres noch einmal zu schreiben. Es war ein schönes Jahr für mich, ein großer Wendepunkt meines Lebens. Ich habe meine ganze Vergangenheit und mich selbst verstehen gelernt, um klar und sicher der Zukunft entgegenzugehen. Ihre Erscheinung ist es, aus welcher dieses köstliche Licht für mich strömt. […] Das heiße Verlangen meiner Seele, das von Kindheit an mich erfüllt, teilzuhaben an der Menschheit Pflege, findet in diesem Streben volle Befriedigung, mein ganzes Wesen wird erfüllt in ihm, immer nur einzelne Seilen vermochte ich bisher zu verwenden.
(Ottilie Schmieder an Fröbel, 31. Dezember 1850)

Julie Traberth

Julie Charlotte Caroline Christine Traberth

Geb.: 6. September 1817 in Eisenach
Gest.: 21. Januar 1887 in Eisenach

Sie entstammt einer kinderreichen Familie eines Eisenacher Oberamtmannes. Da der Vater früh verstarb konnte sie aus finanziellen nicht wie gewünscht Lehrerin werden.

1847 wurde sie Gehilfin im Eisenacher Kindergarten von Dr. May, Direktor der städtischen Töchterschule. Im gleichen Jahr lernte sie Friedrich Fröbel in Eisenach kennen. 1849 gehörte sie zu den Teilnehmerinnen des ersten Ausbildungskurses in Bad Liebenstein. Nach dem Tod von Dr. May übernahm Julie Traberth die Leitung des Kindergartens. Außerdem unterrichtete sie junge Mädchen und Frauen in der Pädagogik Friedrich Fröbels, mit dem sie bis zu dessen Tod in enger brieflicher Verbindung stand.

Mit den herzlichsten Glückwünschen für Ihr Wohl sende ich Ihnen zu dem neuen Jahr einige kleine Handarbeiten aus meinem Kindergarten und bitte, solche freundlich aufzunehmen. […]  Sie singen schon jetzt sehr oft: „Wir grüßen Euch - und heißen freundlich Euch willkommen". Dann sagen sie allemal: „Nicht wahr, das singen wir, wenn Herr Fröbel kommt und uns von den kleinen Kindern aus Hamburg erzählt." (Julie Traberth an Fröbel, 30. Dezember 1849)

Sie gehörte 1860 zu den Mitbegründern der Fachzeitschrift Kindergarten und des Allgemeinen Fröbelvereins (gegründet 1863), aus dem der heutige Pestalozzi-Fröbelverband hervorging. Sie gehörte 1877 zu den Gründerinnen eines Volkskindergartens in Eisenach.

Ihre Tochter Karoline wirkte ab 1852 als Kindergärtnerin in Bad Liebenstein:

Nun habe ich Ihnen, lieber Herr Fröbel, noch recht vielmal zu danken für meine Karoline, die Sie mit der Stelle als Kindergärtnerin in Liebenstein sehr glücklich gemacht haben; […] zumal da sie so ganz in Ihre Nähe kommt, wo sie sich täglich Rat holen kann. Ich denke, sie wird sich rechte Mühe geben, ihren Beruf getreu zu erfüllen, und sich die Liebe der Kinder, wie auch der Eltern zu gewinnen wissen. (Julie Traberth an Fröbel, 9. April 1852)

Emmi Wolfgang

Emmi Wolfgang

Lebensdaten unbekannt

Emmi Wolfgangs Vater war Zahnarzt in Gotha. Sie war außerdem Nichte des Theologen  Eduard Baltzer (1814-1887) aus Nordhausen, dem ersten Präsidenten des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands, der die Bestrebungen Fröbels unterstützte. Baltzer gehörte zu den Gründern des am 20. Januar 1851 eröffneten ersten Fröbelkindergartens in Nordhausen, der unter Leitung von Frau Dr. Storch stand. Emmi Wolfgang wurde hier nach Absolvierung eines Kurses in Marienthal Kindergärtnerin.

Dieser Kindergarten war der erste, der im Zuge der preußischen restauratorischen Bestrebungen im Juni 1851 durch das zuständige Berliner Ministerium geschlossen wurde.
Aus einem Brief Emmi Wolfgangs an Fröbel vom 28. Juni 1851:

Sehr verehrter Herr Fröbel!
Um endlich unser Stillschweigen zu brechen, ergreife ich die Feder […]
Sie werden sagen: Endlich! […] Heute vor vierzehn Tagen wurde uns die unangenehme Nachricht zuteil, dass der Kindergarten geschlossen werden müsse, jedoch hoffen wir, dass es nur auf kurze Zeit sein wird, da eigentlich nur ein Formfehler zum Grunde liegen soll, welcher aber nicht von uns, sondern von dem Magistrate selbst begangen ist. Indem er uns nämlich die Erlaubnis erteilte, schien er selbst nicht gewusst zu haben, dass man bei einem derartigen Institute die Erlaubnis vom Ministerium haben müsse. Wir haben nun ein Gesuch um die Erlaubnis eingereicht und hoffen jeden Tag auf Nachricht.
Wir erstellten uns in der ganzen Zeit einer sehr regen Teilnahme in Bezug des Emporblühens unseres Instituts, indem wir bis zu dem Augenblick, wo der Kindergarten geschloffen werden musste, 60 bis 62 Kinder zählten. Es entspringt dadurch für uns ein nicht unbedeutender Schade, indem wir uns mindestens auf einen Monat gefasst machen müssen, unsre Einnahme zu verlieren.

Es blieb bei dem Verbot! Erst 1862 wurde – insbesondere auf Betreiben von Bertha von Marenholtz-Bülow - das Kindergartenverbot aufgehoben.
1867 wurde in Nordhausen wieder ein Kindergarten eröffnet.