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Johannes Arnold Barop - ein würdiger Nachfolger Friedrich Fröbels

Alexander Hübener

Südlich von Keilhau, eine dreiviertel Stunde Fußweg entfernt, steht der Baropturm. Er bietet eine fast unbeschreiblich schöne Aussicht über den Thüringer Wald. Bei günstigem Wetter kann man den Inselsberg im Westen und die riesigen Rohre des Pumpspeicherwerkes Hohenwarte im Osten erblicken.

Über der Tür zum Turm steht aus Stein gemeißelt:

BAROPTURM ANNO 1878

Es tauchen Fragen auf:

  • Warum baute man hier diesen Turm?
  • Wer war Barop?
  • Wer war der Bauleiter und Planer?

Am 2. Pfingstfeiertag des Jahres 1878 wurde der Turm vor etwa 2000 interessierten Menschen an Johannes Arnold Barop übergeben. Die ehemaligen Schüler der „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt" in Keilhau wollten damit den langjährigen Lehrer und Leiter dieser Schule ehren und gleichzeitig ihrer Treue und Liebe zu dieser Schule ein unübersehbares Zeichen setzen.

Der am 29. November 1802 in Dortmund geborene Johannes Arnold Barop studierte ab 1821 an der Universität Halle Theologie. Im Jahre 1823 besucht er, der inzwischen Mitglied der Burschenschaft und einer ihrer Führer ist, seinen Onkel Wilhelm Middendorff in Keilhau. Dieser ist seit 1816 Mitstreiter Friedrich Fröbels und erlebte die Verlegung der „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt" von Griesheim nach Keilhau. Barop ist von dem Leben in Keilhau so angetan, dass er fast ein Jahr bleibt, mitwirkt und Gedanken mit Fröbel austauscht. Wegen seiner Tätigkeit in der Burschenschaft wird er auf Veranlassung des Innen-und Polizeiministers Preußens von Schuckmann zu einer dreimonatigen Festungshaft verurteilt, die er in der alten Lutherstadt Wittenberg verbüßt.

Ab Frühjahr 1826 tritt er dem Keilhauer Kreise (den erziehenden Familien) in fester Anstellung bei, obgleich sein Vater in der Heimat eine andere Laufbahn für den hoffnungsvollen Sohn erhofft hatte. Nach Unterbrechung durch Studienabschluss und Militärjahr kehrt er 1829 nach Keilhau zurück.

1831 verlobt er sich mit Emilie Fröbel, einer Nichte Friedrich Fröbels, mit der er dann an ihrem Geburtstag, dem 11. Juni, die Ehe eingeht.

Friedrich Fröbel gratuliert aus der Schweiz. Er hat seine langjährige Wirkungsstätte wegen wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten verlassen und versucht in der Schweiz Neugründungen von ähnlichen Erziehungseinrichtungen wie in Keilhau. Seine beiden Freunde aus der Zeit bei den Lützower Jägern, Middendorff und Langethal führen die Schule in Keilhau gemeinsam mit Barop im Fröbelschen Sinne weiter.

lm Laufe der Zeit geht die Leitung immer mehr an Barop über. Die Schülerzahlen und das durch die preußische Interventionen geschädigte Ansehen der Schule wachsen wieder. Barop verfügt über einiges Vermögen, wirtschaftet geschickt, hat eine glückliche Hand bei der Auswahl seiner Mitarbeiter und überwindet allmählich die tiefe Krise, die die Keilhauer Einrichtung getroffen hatte. Nach dem Tode Middendorffs, am 27. November 1853, ist Barop nun alleiniger Leiter. Langethal war Fröbel in die Schweiz gefolgt und hatte dann ein Kirchenamt in Schleusingen inne.

Unter Barop kommt es zur Straffung und Arbeitsteilung im Unterricht. Im Zusammenhang mit der Spezialisierung der Lehrkräfte schafft er Anfang der 50er Jahre das von Fröbel im Rahmen der Arbeitserziehung geschaffene System der lehrenden Zöglinge ab. Vom Schuljahr 1853/54 wird für jedes Jahr ein ausführlicher Lehrplan aufgestellt.

Anlässlich des 300jährigen Bestehens der Universität Jena wird Barop mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Zum 50. Jubiläum der Anstalt Keilhau werden Barop und der inzwischen wieder hier tätige, jedoch erblindete Langethal, vom Landesfürsten von Schwarzburg - Rudolstadt geehrt. Im Jahre 1876 entstand der Gedanke, Barop einen Turm zu bauen. Der Baubeginn verzögerte sich jedoch aus den verschiedensten Gründen um ein Jahr. Ein Komitee angesehener Persönlichkeiten aus der Schar ehemaliger Keilhauer Schüler, darunter von Ketelhodt und Georg Ebers, der Ägyptologe wurde, rief zu Spenden auf. Die Bauleitung hatte ebenfalls ein ehemaliger Keilhauer Schüler übernommen, Baurat Louis Junot. Der Vater Junots heiratete als Witwer die Tochter Friedrich von Schillers, Caroline, die auf dem zur Erziehungsanstalt gehörenden Friedhof in Keilhau beerdigt ist. Nachdem Johannes Arnold Barop 1878 Eigner des Turmes geworden war, besuchte er ihn fast täglich, häufig mit nachträglich eintreffenden Gratulanten. Im gleichen Jahr erhielt Barop die Nachricht, dass sein langjähriger treuer Freund und ehemaliger Keilhauer, Professor Christian Eduard Langethal, Professor der landwirtschaftlichen Wissenschaften und der Botanik und Bruder Heinrich Langethals, in Jena verstorben war. Obwohl unpässlich, ließ Barop sich nicht abhalten, zu den Begräbnisfeierlichkeiten nach Jena zu reisen. Zurückgekehrt erkrankte er an einer Lungenentzündung, an deren Folgen er am 5. August 1878 verstarb. Er wurde unter Anteilnahme auf dem historischen Friedhof in Keilhau beigesetzt.

Wie erging es nun diesem Denkmal der Treue und Erinnerung?

Mehrfach wurde in den Turm eingestiegen. Die Kupferplatten auf den Zinnen des Turmes, die der Orientierung dienten, wurden im l. Weltkrieg gestohlen, später die Tür gewaltsam entfernt. Der Ausstieg und der unterste Teil der Treppe wurden zerstört und in den Wald bzw. den Hang hinuntergeworfen. Ein Freundeskreis Baropturm der Gemeinden Keilhau und Großgölitz unter Leitung von Udo Lindner behob 1978 die Schäden. Finanzielle Unterstützung kam vom Kulturbund. Neue Hinweisplatten wurden von einem ehemaligen Keilhauer Schüler aus den alten Bundesländern gestiftet und von Helmut Brehme von Keilhau angebracht.

Zur Zeit pflegen Mitglieder des Neuen Thüringer Fröbelvereins, des Thüringer Waldvereins und des Feuerwehrvereins Großgölitz den Turm, der in den Sommermonaten an den Sonntagen geöffnet ist. Zu anderen Zeiten sollten Interessenten sich an die genannten Vereine wenden, die dann gern bereit sind, diese auf den Turm zu begleiten.

Nachsatz:

Zur Grundsteinlegung des Turmes wurde ein Lied gesungen, dessen Text von Anton Sommer, dem Verfasser der „Rudolstädter Bilder und Klänge" stammt. Die Musik dazu schrieb ein alter Keilhauer Schüler, Herbart Böttner, genannt „Stuck" oder auch anderen bekannt als der Millionenböttner, da sich um seine Person viele Geschichten ranken. Gesungen wurde das Lied vom Chor der Anstalt Keilhau.

Laßt laut in Jubel es erklingen,
was heute froh die Herzen schwellt,
laßt uns ein Lied der Weihe singen,
zum Werke, das uns hier gesellt.
Das als ein Mal der Dankbarkeit,
noch reden soll zu später Zeit. 
Ja alle, die hier heimisch waren,
in ihrer Jugend goldner Zeit,
die reiche Liebe hier erfahren,
sie haben diesen Ort geweiht,
zu zeugen noch in später Zeit,
von treuer Schüler Dankbarkeit.

 

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