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Pressemitteilung I 03.12.2013

Thüringer Fröbelorte stellen gemeinsamen Weltkulturerbe-Antrag

Bad Blankenburg _ Fröbels Idee von Kindheit hat ihren Ausdruck im Kindergarten gefunden und einen Siegeszug um die Welt angetreten. Der Fröbel-Kreis Bad Blankenburg hat sich am Bewerbungsverfahren um die Aufnahme in die UNESCO Liste des Immateriellen Weltkulturerbes beteiligt.

Ende 2012 hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Erbe Friedrich Fröbels, der weltweit als Erfinder und Begründer der Kindergärten bekannt ist, den Menschen in Thüringen und darüber hinaus noch näher zu bringen.

Der Fröbel-Kreis – so der Name der Initiativgruppe – setzt sich zusammen aus Vertretern der Thüringer Fröbelorte Oberweißbach, Keilhau, Bad Blankenburg und Bad Liebenstein sowie einer Reihe von Institutionen und Einrichtungen.

Die vom Fröbel-Kreis ins Leben gerufene „Fröbel-Dekade“ wird sich in jedem Jahr eines spezifischen Themas aus dem Gesamtspektrum Fröbelschen Wirkens und Nachwirkens annehmen.

Aus lebhaften Diskussionen erwuchs das Anliegen, einen Antrag zu stellen, den „Fröbelschen Kindergarten“ und die damit verbundene „Idee von Kindheit“ in den Rang immateriellen Weltkulturerbes zu erheben.

Noch im 17. Jahrhundert galt in Europa ein Siebenjähriger quasi als erwachsen. Die Idee von Kindheit ist mit der Geschichte der Menschheit nicht selbstverständlich verbunden. In Europa begann die Entwicklung der Idee mit der Renaissance. Friedrich Fröbel gehört zu ihren bedeutsamsten und wirkungsvollsten Protagonisten. Sein besonderes Verdienst besteht darin, die Bedeutung der frühen Kindheit nicht nur erkannt, sondern die Realisierung dieser Erkenntnisse vorangetrieben zu haben.

Der von ihm begründete "Kindergarten" unterschied sich von damals bereits existierenden "Kinderbewahranstalten" durch eine neue Sicht auf das Kind und die darauf fußende pädagogische Konzeption. Fröbel entwickelte ein pädagogisch durchdachtes System von Liedern, Spielgaben und Beschäftigungsmaterialien, die – wie das Wort „Kindergarten“ selbst – heute in vielen Teilen der Welt verbreitet sind.

Diese Idee von Kindheit ist gefährdet. Darauf weisen nicht zu Unrecht seit den späten 70er und frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts (u.a. Neil Postman: Das Verschwinden der Kindheit) eine ganze Reihe von Autoren hin. Die Gefährdungen sind vielgestaltig. Sie reichen von existenziellen Gefährdungen – Hunger, Kinderarbeit, Menschenhandel - in den armen und ärmsten Regionen der Welt bis zu Erscheinungen von Wohlstandsverwahrlosung, medialer Reizüberflutung, Naturdefizit und wachsendem Materialismus in der westlichen Welt.

Der Kindergarten, der in aller Welt Verbreitung gefunden hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes Weltkulturerbe, das es zu bewahren gilt!

Dabei ist es besonderen Hervorhebens wert und verdienstvoll, dass Menschen und Institutionen in den Regionen, von denen die Fröbelschen Ideen einst in die Welt gingen, das kulturelle Erbe der Kindergartenidee bewahren und praktizieren, um der Gefährdung der „Idee von Kindheit“ entgegenzutreten. Oberweißbach, Bad Blankenburg und Keilhau bei Rudolstadt in der Region Rennsteig-Schwarzatal sowie Bad Liebenstein mit dem Ortsteil Schweina im Wartburgkreis sind einerseits als authentische Fröbelorte mit den Traditionen Fröbelschen Wirkens verbunden. Andererseits ist man insbesondere hier auch darum bemüht, die Gültigkeit Fröbelscher Ideen zu leben und zukunftsfähig zu gestalten.

So werden in allen diesen Orten Fröbelsche Ideen in moderner Form museal vermittelt. Sie werden aber insbesondere auch in den Kindergärten, Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen lebendig gehalten. Darüber hinaus bemühen sich Vereine und Freundeskreise auf vielfältige Art und Weise um das Erbe Fröbels und seine Bewahrung im Sinne der Kindheit.

Der Fröbel-Kreis als Antragsteller handelt in Verantwortung für die Fröbelorte, von denen aus der Siegeszug der Kindergartenidee einst begann, aber auch in globaler Verantwortung für unsere Zukunft, für eine der humanistischsten Ideen, die jemals auf dieser Welt hervorgebracht worden sind. Die Fröbelorte des Freistaats Thüringen erfreuen sich zahlreicher Besucher aus vielen Teilen der Welt. Eine US-amerikanische Professorin äußerte einmal bei einem Besuch in Thüringen:

„We want to see, how we can change our playgrounds from places of competition into places of play.“ Hier drückt sich genau das Anliegen der Antragsteller aus, dem Verschwinden der Idee von Kindheit entgegenzutreten.

Dazu gehört natürlich auch, dass im eigenen Land langsam aus dem Sprachgebrauch weichende Wort „Kindergarten“ in Wort und Sinn wieder zu stärken.

Dem Fröbel-Kreis ist weiterhin wichtig, den weltweiten Fröbel-Aktivitäten zu stärkerer öffentlicher Wahrnehmung zu verhelfen und damit auch deren Vernetzung zu fördern.

Fröbels Verdienste um die Pädagogik der frühen Kindheit vervollkommnet neben der Gründung des ersten Kindergartens und der Schaffung eines Systems von Liedern, Spielgaben und Beschäftigungsmaterialien auch, dass er mit der Kindergärtnerin ein neues Berufsbild schuf und damit gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für die Emanzipation der Frauen leistete – ein weiterer Beleg für Fröbels tiefen Humanismus. Die erste Kindergärtnerinnenschule in Marienthal bei Bad Liebenstein war gleichzeitig eine der ersten Berufsschulen für Frauen in Deutschland.

Das Weiterleben der Idee von Kindheit hängt auch von den Frauen und Männern ab, die sich diesem Beruf verschrieben haben und ihn mit Liebe und Verantwortung ausfüllen.

Die Konsequenz Fröbelschen Denkens und Wirkens zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass er Spielen, Lernen und Arbeiten konsequent weiterdachte, dass er ebenso auch „Schulmann“ war. Er gründete mit der "Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt" (1816 in Griesheim bei Stadtilm, ab Juni 1817 in Keilhau) eine Schule, die bis heute im Sinne Fröbelscher Pädagogik an selber Stelle weitergeführt wird.

Dass Fröbel mit seinem Spielgabensystem in internationalen Diskussionen als ein Inspirator der Kunst und Architektur der Moderne gesehen wird, ist ein weiterer eindrucksvoller Beleg dafür, wie wirkungsvoll seine Gedanken und Werke sind.

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Protokoll der Allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung in Gotha, Juni 1852 - der letzten Versammlung, an der Friedrich Fröbel vor seinem Tode teilnahm:

"Zur richtigen Würdigung Friedrich Fröbels und seines pädagogischen Wirkens - S.M. Budich in

Quelle: Bildungsgeschichte Online - Katalog der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung

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