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 Der Bauplan für ein Friedrich-Fröbel-Haus in Bad Liebenstein (Walter Gropius/Adolf Meyer, 1924)

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Im Folgenden wird in Auszügen zitiert aus: Der Bauplan für das neue Friedrich Fröbel Haus - Walter Gropius, Direktor des staatlichen Bauhauses in Weimar, abgedruckt in KINDERGARTEN - Organ des Deutschen Fröbel-Verbandes und des Verbandes für Schulkinderpflege / Mitteilungen der Berufsorganisation der Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen, Jugendleiterinnen e.V.; 66. Jahrgang Nr. 2; Februar 1925

Abbildung links: Titelblatt der Zeitschrift

Vielen Dank an Frau Dr.-Ing. Adriana Carvalho Da Silva Storch für die Erteilung der Rechte, die von ihr erstellten bildlichen Projektdarstellungen auf www.froebelweb.de nutzen zu dürfen!

[...] Das Gelände am Hang des bewaldeten Aschenberges in Bad Liebenstein ist seiner ganzen Lage und Umgebung nach hervorragend geeignet, um die dem Namen und Andenken Friedrich Fröbels geweihte "Kulturstätte des Kindes” hier in einem "Friedrich-Fröbel -Haus" aufzubauen.

Der Bauplan des "Friedrich-Fröbel-Hauses" gliedert sich folgendermaßen:

  1. Das Hauptgebäude mit Kindergarten, Kinderhort, Wohnungen der Kin­dergärtnerinnen, Hortnerinnen und Praktikantinnen, Badeanlagen und Lesezimmer,
  2. die an diesen Gebäudetrakt anschließende Wirtschafteabteilung und
  3. das Fröbel-Forschungsinstitut.

In organischer Verbindung mit dem Hauptbau stehen Spielplätze, Stallbauten, Gartenanlagen und in einiger Entfernung dem Waldrand folgend

      4. die Pavillons des Kindererholungsheims.

Der Haupteingang zum Kindergarten und Kinderhort in der Mitte des langgestreckten Hauptgebäudes leitet durch das geräumige Vestibül über die breite zweiarmige Treppe in das Hauptgeschoß hinauf. Die Berglage ermöglicht die Ausnutzung der an der Talseite gelegenen ebenerdigen als Kellergeschoß bezeichneten Räume für das Lesezimmer und die umfangreiche Badeeinrichtung.

Über die Haupttreppe gelangen die Hortkinder auf der linken und die Kindergartenkinder auf der rechten Seite in die Garderoben und die Waschräume, die sie vor Eintritt in die an der Bergseite gelegenen Spielzimmer benutzen müssen. Die Garderoben und Waschräume ermöglichen bequeme Aufsicht durch die Erzieherinnen. [...]

Der Ausgangspunkt für die Grundrißbildung war die best­mögliche Himmelslage für die Spielzimmer und den an­schließenden Tagesraum, die in ihrer Südost-Südlage von Sonne und Licht durchflutet den Kindern einen gesunden und in ihrer räumlichen und farbigen Gliederung freude­spendenden Aufenthalt bieten sollen. Die Spielzimmer sind durch Schiebetüren untereinander verbunden. [...], die vorgesehene Schiebefensterkonstruktion ermöglicht bei günstiger Witterung ein Öffnen der Glaswand. Der Blick aus den Spielzimmern fällt direkt auf Spielplatz, Garten und Wald.

Anschließend an der Südecke des Hauptbaues mit schönster Aussicht auf den Wald liegt der große Tagesraum mit halb­kreisförmiger, gleichfalls ganz in Glas aufgelöster Außen­wand. Der Tagesraum dient zugleich als Festraum und enthält deshalb auch eine Empore für Gäste und die Einrichtung für eine kleine Bühne. [...]

Gegenüber den fünf Spielzimmern auf der anderen Seite des durch direktes Seitenoberlicht beleuchte­ten in der Mitte erweiterten Flures liegen geräumige Werkstätten für die Werkar­beit der Kinder und Erzieherinnen, deren breite Fensterbänder nach der Stadt zu gerichtet sind.  [...]

Im Obergeschoß des Haupt­baues sind nach der Waldseite zu die Wohnungen der Kinder­gärtnerinnen und Hortnerin­nen, je ein Wohn- und ein Schlafraum mit zwischenlie­gendem Waschkabinett für je zwei Personen und auf der ge­genüberliegenden Flurseite die einfacheren Zimmer der Prakti­kantinnen, je ein Raum mit Bettnische und Waschkabinett wieder für zwei Personen un­tergebracht. Über dem Tages­raum liegt der gemeinsame Wohnraum für sämtliche Kindergärtnerinnen und Prak­tikantinnen. [...]

Im Obergeschoß, sinngemäß das Bindeglied mit allen drei Abteilungen bildend, die Wohnung der Leiterin, an deren Räume sich die Gastzimmer anschließen, die zu dem Fröbel-Forschungsinstitut überleiten.. Dieses bildet den Schlußbau der ganzen Anlage, auch in seiner Höhe alle übrigen Gebäude überragend, als geistiges Zentrum und Sammelpunkt für alle lebendigen Energien, die aus der Weiterarbeit der Ideen Friedrich Fröbels für das Kind erwachsen sind und weiter erwachsen werden.

Zum Fröbel-Forschungsinstitut führt ein besonderer Eingang, vom Hauswart überwacht, durch ein geräumiges Vestibül.

Der große Fröbelsaal liegt im ersten Stockwerk, durch die großen Fenster nach dem Spielplatz der Kinder hin sich öffnend.

In diesem Saal sollen die eigne geistige Arbeit Fröbels und die aus seinen Ideen ent­standenen Schriften, Erziehungsmethoden, Beschäftigungsmittel und Spiele systematisch gesammelt und dauernd ergänzt werden mit dem Zweck, hier den lebendigen Fröbel wirksam werden zu lassen und ein umfas­sendes Studium zu ermöglichen.

Der Saal führt durch zwei Geschosse, auf halber Höhe sind Emporen mit Arbeitsplätzen für Fröbelforscher angeordnet, anschIießend ein Erinnerungszimmer, das persönliche Andenken an Friedrich Fröbel enthalten wird, die in Liebenstein noch verstreut aufbewahrt werden. Der Saal kann gleichzeitig für Versammlungen und Vorträge mit Licht­bildvorführungen usw. benutzt werden. So soll die Beziehung von Tradition und Leben bereits im Raumorganismus sichergestellt, ein einseitig musealer Standpunkt dagegen vermieden werden. Nach der Waldseite zu wird das Fröbel- Forschungsinstitut von einem kleinen Wirtschaftsbau flankiert, der Geräte­schuppen, u. a. enthält.

Die Hauptgebäudegruppe umschließt nach zwei Seiten den großen planierten Spielplatz für die Kinder, der sich an seiner Südostseite nach dem Waldhang zu öffnet. Die Grenze gegen den Waldhang bilden niedrige Stallbauten für Kleinvieh und Geflügel. Ihre Lage und Einrichtung ist derart angeordnet, daß die Kinder in stetige Verbindung mit den Haustieren gebracht, von Jugend auf zur Tierliebe und -pflege erzogen werden. Zwischen den Stallgebäuden und seitlich bis zur Waldgrenze liegen Blumen- und Gemüsebeete, deren Bestellung und Pflege durch die Kinder eigenhändig erfolgen soll. Der übrige Platz zwischen Waldgrenze und Spielplatz dient als freie Waldspielwiese. Der Spielplatz selbst ist nach der Talseite zu, der Höhenlage folgend, durch eine gebogene Terassenmauer abgegrenzt, die vom Hauptgebäude ausgehend ihren Abschluß an der großen Märchenlinde findet.

Etwas weiter talab in südwestlicher westlicher Richtung ist die Anstauung einer Planschwiese vorgesehen. [...]

Die Erholungspavillons

In nordöstlicher Richtung vom Hauptbau folgen dem Waldrand die Erholungspavillons in zwei gestaffelten Reihen von je vier Hei­men, der Höhenlage des Geländes angepaßt.

Während Kindergarten und Kinderhort in der Hauptsache ortsangesessenen Kindern aus Bad Liebenstein und Umgebung dienen soll, werden die Pavillons errichtet, um auswär­tige erholungsbedürftige Kinder aufzuneh­men, die hier zu zehn bis zwölf unter Führung einer Schwester oder Kindergärtnerin zu einer "Familie" vereinigt, mehrwöchige Erholungskuren unter Benutzung der Stahlbäder von Liebenstein und aller übrigen Einrichtungen des Hauptgebäudes genießen können.

Der Grundriß der Pavillons sieht in symetrischer Anordnung getrennte Eingänge, Wasch-und Schlafräume für Knaben und Mädchen vor, der für beide Geschlechter gemeinsame, überhöhte Tagesraum öffnet sich nach Süden, davor eine große Veranda, an die ein offener Spielplatz grenzt. Hinter dem Tagesraum in der Mitte liegt die kleine Teeküche zum Wärmen und Austeilen der vom Hauptgebäude gelieferten Kost. Zu beiden Seiten der Teeküche je ein kleiner Schlafraum für eine Praktikantin und eine Schwester, von wo aus unauffällige Beaufsichtigung des Eingangs, des Tagesraumes, des Schlafraumes und der Waschräume durch Fenster gewährleistet ist. Beheizung der Pavillons, Verpflegung und Besorgung der Wäsche usw. erfolgt vom Hauptgebäude aus, wo auch die den "Familien", vorstehenden Schwestern und Praktikantinnen ihren geselligen und geistigen Mittelpunkt finden. [...]

Der technische Aufbau der Pavillons weicht von dem des Hauptgebäudes ab.

Hier ist Herstellung in Serien infolge der Wiederholung der einzelnen Teile möglich, die auf die Konstruktion der Wände und Decke bestimmenden Einfluß hat. Sie sollen aus Leichtplatten mit geeigneter Isolierung im Montageverfahren errichtet werden. Sämtliche Räume der Gesamtanlage, ganz besonders aber die der Kinder sollen farbig ausgemalt werden. Alle Mittel zur heiteren Belehrung, die auf die schöpferischen Kräfte im Kinde fördernd einwirken, Farbe, Licht und liebevolle Details sollen mit besonderer Sorgfalt in die Planung einbezogen werden und dabei Kindern und Erzieherinnen doch die größte Freiheit und Gelegenheit zur eigenen Betätigung und Entfaltung gewährleisten.

Die Baupläne wurden von dem Architekten Walter Gropius in Weimar mit dem Architekten Adolf Meyer, Weimar ausgearbeitet.