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"Das kleinste Samenkorn trägt... das große Ganze in sich und es entwickelt es im Zusammenhange mit dem großen Lebensganzen. So trage auch ich als Mensch die ganze Vergangenheit, die Fülle der Gegenwart und den Reichtum der Zukunft in mir." F.W.A.FRÖBEL

Das Wirken Friedrich Wilhelm August Fröbels in Südthüringen

M. Brodbeck

Inhalt

  1. Vorwort
  2. Ein Denkmal aus Fleisch und Blut
  3. Der große Plan
  4. Ich habe nun den Ort gefunden
  5. Die Freundschaft zwischen Fröbel und Diesterweg
  6. Was du ererbt von deinen Vätern

Vorwort

In den letzten Jahren ist das Interesse an Leben und Werk des bedeutenden deutschen Pädagogen, des Menschenerziehers Friedrich Fröbel (1782-1852) spürbar angewachsen. Einerseits hat sich für Besucher aus anderen Ländern aber auch aus den alten Bundesländern der Zugang zu den in Thüringen gelegenen Wirkungsstätten Fröbels wesentlich erleichtert. Andererseits erweisen sich Fröbels Ideen als mitunter auch für unsere heutige Situation recht brauchbar. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts war Deutschland in eine große Anzahl kleiner und kleinster Staaten zersplittert. Das Bürgertum fand in Deutschland denkbar schwierige Bedingungen dafür vor, die Industriealisierung voranzutreiben. Viele progressiv denkende Menschen jener Zeit versuchten, die Grundlagen für einen deutschen Nationalstaat zu schaffen.

Neben wirtschaftlichen Bestrebungen sind dabei besonders die großartigen philosophischen und künstlerischen Leistungen hervorzuheben, die von Menschen jener Zeit hervorgebracht wurden. Friedrich Wilhelm August Fröbel nimmt unter ihnen einen bedeutenden Platz ein. In einem Brief an den Herzog von Sachsen-Meiningen bekannte er nach den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft, an denen er als Lützower Jäger teilgenommen hatte "...mein Streben bekam die Richtung auf das Nationale." Es zu verwirklichen trachtete er - insbesondere nach seinen Hospitationen bei dem in der damaligen Zeit schon sehr bekannten Pädagogen Pestalozzi im schweizerischen Iferten - als Erzieher und Pädagoge. Aber auch im feudal zersplitterten Deutschland zeigte sich manch ein Landesfürst den Gedanken und dem Wirken der Streiter für eine neue Zeit gewogener als andere.In bezug auf Fröbel spielte eine solche Rolle der Herzog von Sachsen - Meiningen, Bernhard Erich Freund, so daß es nicht verwunderlich ist, daß das Wirken des bedeutenden deutschen Pädagogen ihn immer wieder an Stätten im südlichen Thüringen führte.

EIN DENKMAL AUS FLEISCH UND BLUT

Nach seiner Teilnahme an den Befreiungskriegen gegen Napoleon in den Reihen der Lützower Jäger versuchte Fröbel sein "Streben auf das Nationale" als Erzieher umzusetzen. 1816 gründete er in dem Dörfchen Griesheim die "Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt" unter Mitwirkung von Middendorff und Langethal, die in den Befreiungskriegen seine Freunde und Mitstreiter geworden waren. 1817 konnte die Anstalt nach Keilhau umziehen. Mit ganzen 5 Zöglingen war die pädagogische Arbeit begonnen worden, 23 waren es 1817, von denen - was man als Beispiel für den Humanismus Fröbels werten kann - 8 kein Schulgeld zu entrichten brauchten. Unter diesen 8 befanden sich 2 Zöglinge, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat.

1817 war das Jahr der 300. Wiederkehr des Reformationsjubiläums und deshalb gab es in Deutschland manche Ehrung für Martin Luther. Tiefe humanistische Züge trägt dabei das Bestreben Friedrich Fröbels "...seinem Glaubenshelden Luther ein lebendiges Denkmal zu setzen, nachdem beim großen Reformationsfest 1817 manch steinernes errichtet worden war." Auf einer Reise nach Berlin hatte er im selben Jahre erfahren, daß man Luther zum 300. Jubiläum der Reformation ein Denkmal von Eisen setzen wollte. Dieser Gedanke gefiel ihm nicht und und er faßte nach seiner Rückfahrt den Gedanken eines "lebendigen Denkmals". Fröbel hatte Kenntnis davon erhalten, daß in dem Ort, aus dem die Vorfahren Luthers stammten, in Möhra im heutigen Kreis Bad Salzungen, Nachfahren der Familie Luther in tiefster Armut als Tagelöhner ihr Dasein fristen mußten. Zwei von ihnen holte er nach Keilhau. Es handelte sich um Georg und Johann Ernst Luther, damals 18 und 11 Jahre alt. Fröbel selbst äußerte dazu, es könne "...der letzte Zweck doch nur sein ... sie in einen Zustand zu versetzen, der es ihnen möglich machte, ihren Nachkommen diejenige Bildung zu geben, durch welche es nachmals den geistig begabteren leicht würde, sich fortzubilden und aus den engen, ärmlichen Grenzen des Hirten- und Tagelöhnerlebens herauszustreben."

Die Dokumente über die beiden Luthers aus der Keilhauer Zeit sind nicht allzu zahlreich. In der Möhraer Kirche ist als Dokument jener Zeit ein Brief zu finden, den Fröbel am 11.Mai 1818 an den dortigen Pfarrer Arnold schrieb und in dem er sich lobend über die Entwicklungsfortschritte von Georg und Ernst äußert sowie das große Interesse hervorhebt, welches der "Verein für ein lebendiges Denkmal Dr. Martin Luthers" gefunden hat. Über Georg Luther berichtet Christian Zeh, der in Zusammenhang mit den nach dem Treffen der deutschen Burschenschaften 1817 auf der Wartburg einsetzenden "Demagogenverfolgungen" in fürstlicher Mission die Keilhauer Anstalt zu überwachen hatte : "Zöglinge waren bei meinem letzten Besuche 50, von denen Georg Luther auf die Universität abgegangen ist, um Theologie zu studieren." Ernst blieb bis 1825 in der Keilhauer Anstalt und hielt seinem Lehrer bis zu dessen Tode die Treue.

Aus Dankbarkeit fertigte er den von Middendorff entworfenen ersten Grabstein Fröbels, der die Spielgaben Kugel, Walze und Würfel symbolisiert. Dieser Stein steht heute unweit des Einganges zum Marienthaler Schlößchen, zu dessen Bedeutung im Leben Fröbels an anderer Stelle noch die Rede sein soll. Möhra sollte als Stammort der Lutherfamilie und auch aus einem ähnlichen Anlaß im Leben Fröbels noch einmal eine Rolle spielen. 1846 erschienen in verschiedenen Zeitungen Beiträge, die zur Unterstützung der Idee aufriefen, in Möhra ein Denkmal für Martin Luther zu errichten. Im "Thüringer Volksfreund" vom 24. Februar 1846 finden sich z.B. folgende Zeilen: "Wir erbitten Beiträge zu diesem Denkmal, welches, wenn die bis zu einem gewissen Zeitraum angesammelten Mittel irgend ausreichen, eine Lutherbildsäule von Erz in künstlerischer Vollendung werden soll."

Unter den Unterzeichnenden findet man "... Ludw. Bechstein, Hofrath und Bibliothekar...". In einer der Versammlungen des Komitees zur Schaffung des Denkmals für Martin Luther brachte Fröbel folgenden Vorschlag ein: "...ein lebendiges Denkmal, "Luthers Kindergarten " - einen Musterkindergarten in der Nähe des Standbildes zu begründen ... Dies wäre der rechte, lebensvolle Magnet, welcher zur Beachtung des an sich toten, starren Standbildes nach Möhra von Nähe und Ferne zöge. " Vorerst mußte dieser Plan unerfüllt bleiben, denn man "... konnte von Seiten des Komitees solche Absicht nur gut heißen, aber, vorläufig nur den nächsten Zweck im Auge, keinerlei Geldmittel dazu in Aussicht stellen." Heute hat der Lutherstammort Möhra neben seinem Lutherdenkmal einen modernen Kindergarten.

DER GROßE PLAN

In den Jahren nach der Gründung der Keilhauer Anstalt entwickelte Fröbel seine pädagogischen Gedanken weiter in Richtung der Schaffung eines seinem Ideal von Menschenerziehung entsprechenden Schulsystems. In einem Brief an seinen Freund Barop schrieb er 1828 :

"Erstlich die Entwicklungs- und Pflegeanstalt für Kinder vom dritten bis zum siebenten Jahr. Zweitens die Volkserziehungsanstalt ... . Drittens die Bildungsanstalt für deutsche Kunst und deutsches Gewerbe in Oberwitz und viertens die Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt in Keilhau. Vorschule für das höhere Wissen bis bis zur Reife zur Hochschule,vielleicht höhere Kunst eingeschlossen."

Ende der 20er Jahre machte er sich an die Projektierung der Volkserziehungsanstalt heran, die die Zöglinge von der Vorschule bis zur Erreichung der Hochschulreife bzw. zur Berufsausbildung führen sollte. Damit wollte er zum ersten Mal in der Praxis seine Gedanken von einer einheitlichen Erziehung umsetzen und er fand auch den Gönner für die Durchsetzung seines Planes, den Herzog von Sachsen-Meiningen, Bernhard Erich Freund, der ihm das Gut Helba bei Meiningen in Aussicht stellte. Fröbel begann mit der Planung seiner Volkserziehungsanstalt, über deren Bestimmung er sagte, sie solle "...für jedes Gewerbe, so dem Landmanne, den Handwerkern, und hier namentlich den gestaltenden, dem Tischler, Zimmermann, Maurer, Metall- und Eisenarbeiter eine genügende Vorbildung...geben, sowie zur höheren und einsichtigen Betreibung eines jeden bürgerlichen Geschäftes, des Kaufmanns, des Fabrikanten und ähnlicher hinführen." Das zeigt, daß die Ausübung praktischer Tätigkeiten an der Volkserziehungsanstalt eine bedeutende Rolle spielen sollte. Auf Erfahrungen mit der Anstalt Keilhau fußend handelte es sich natürlich nicht nur darum, die Zöglinge auf ein tätiges Leben in der bürgerlichen Gesellschaft vorzubereiten, sondern es waren auch wirtschaftliche Zwänge, die es notwendig machten, daß ein jeder auch durch seine Arbeit zum Unterhalt und zum wirtschaftlichen Funktionieren der Anstalt beizutragen hatte. Fröbel legte bei der Ausarbeitung seiner Erziehungsziele immer großen Wert darauf, daß die Erziehung und Lehre sich stützt :

"...auf das Leben selbst und das Selbstschaffen, auf die Einigung und Wechselwirkung zwischen Tun und Denken, Darstellen und Erkennen, Können und Wissen."

Er legte aus eben diesen Gründen ein ganzes System von Arbeiten vor, welche durch die Zöglinge und die Mitarbeiter der Anstalt zu verrichten waren. Der Unterricht für Helba sollte sich unterteilen in:

"3 große Klassen... A. der begründenden... B. der übenden... C. der ausführenden und anwendenden..."

Die Zöglinge der Anstalt sollten, so wie es geplant war, nicht in einer abgeschlossenen Atmosphäre aufwachsen, sondern durch Kontakte zur Außenwelt u.a. zur Achtung der arbeitenden Menschen erzogen werden.

"Die Nähe von Suhl, Schmalkalden und vielen anderen dem verschiedensten Gewerbefleiß gewidmeten Orten machen es möglich, den Zögling auch dafür zu wecken und ihm genügende Anschauung vieler Gewerbe vor der Wahl seines künftigen Berufes zu verschaffen, oder ihm denselben wenigstens von mehreren Seiten des Betriebes zu zeigen."

All das zeugt von dem gut durchdachten Konzept, das Fröbel besaß und von dem auch sein Gönner, Herzog Bernhard Erich Freund angetan war. Dieser bewilligte sogar die Erziehung des Erbprinzen in besagter Anstaltsgemeinschaft. Die Schwierigkeiten, die Fröbel nach den Demagogenverfolgungen, die auch die Keilhauer Anstalt nicht verschonten, hatte, waren für eine (in den Quellen nicht namentlich genannte) Person am Meininger Hofe ein willkommener Anlaß, gegen Fröbel zu intrigieren, da sie um ihren Einfluß fürchtete. Der Herzog war daraufhin nur bereit,Fröbel ein Provisorium zur Verfügung zu stellen. Dieser lehnte verbittert ab, was das Schicksal der Helbaer Volkserziehungsanstalt endgültig besiegelte.

ICH HABE NUN DEN ORT GEFUNDEN

Vor allen die Verbitterung über das Scheitern seiner großen Pläne brachte Fröbel dazu, in die Schweiz auszuwandern und dort in den 30er Jahren an der Verwirklichung seiner Ziele zu arbeiten. Hier - und besonders in Burgdorf - richtete er sein Augenmerk immer mehr auf die Vorschulerziehung. Diese Ausrichtung sollte jedoch für ihn weiterhin von großer Bedeutung sein. Die Krankheit seiner Frau zwang ihn zur Rückkehr nach Deutschland, nachdem er auch in der Schweiz nicht den erhofften Freiraum gefunden hatte. Bald darauf starb seine Frau. Fröbel vertiefte sich immer mehr in die Vorschulerziehung, was 1840 in die Gründung des Allgemeinen deutschen Kindergartens mündete.

Hiermit sah sich Fröbel jedoch keinesfalls am endgültigen Ziel seiner pädagogischen Bestrebungen. Er führte Vortragsreisen und Kurse zur Popularisierung seiner Kindergartenidee durch und war immer mehr von dem Gedanken durchdrungen, durch Ausbildung geeigneter Personen seine Ideen schneller und wirksamer verbreiten zu können. Auf seinen Reisen war er darum auch immer auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um seine Idee einer Schule zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen verwirklichen zu können.

"Mitten im Winter kam Fröbel plötzlich durch Eisenach, um nach Liebenstein zu fahren ... hier am 26. Februar einen langen Brief an Louise Levin ( schreibend - d.V.), worin er die günstige Lage von Liebenstein... und andere Vorzüge schilderte, die ihm Liebenstein als künftigen Wohnort für günstig erscheinen ließen."

Fröbel zog bald darauf nach Liebenstein, bewohnte dort für kurze Zeit verschiedene Wohnungen, z.B. eine ehemalige Domäne, deren Hauptgebäude zur heutigen Heinrich-Mann-Klinik gehört und wo noch heute eine Gedenktafel an Fröbels Aufenthalt erinnert. Der Herzog von Sachsen-Meiningen stellte Fröbel kurze Zeit später das Schloß Marienthal bei Schweina zur Verfügung. Darüber sagt Fröbel :

"Ich habe nun den Ort gefunden zur Verwirklichung der letzten Konsequenz meines Grundgedankens."

Schweina, der einst von Schweinehirten gegründete Ort, gewann im Mittelalter beginnend durch die Entwicklung des hier ansässig gewordenen Silber- und Kupferbergbaues immer mehr seinen manufakturellen und industriellen Charakter. Nach der Ausbeutung der Bergwerke war es vor allem der Unternehmer Weiß, der als Werkspion in England Erfahrungen mit moderner Produktion gesammelt hatte und durch mitgebrachte Zeichnungen in Schweina Maschinen bauen konnte, um hier eine Spinnerei zu errichten, in der 1827 die erste Dampfmaschine Thüringens arbeitete.

Von den etwa 1500 Einwohnern, die Schweina um diese Zeit zählte, waren eine große Zahl in dieser Spinnerei beschäftigt, so daß Fröbel zum ersten Male in seinem Leben auch mit den Auswirkungen der beginnenden Industrialisierung auf die Menschen in Berührung kam. Er betreute in seinem Kindergarten auch die Kinder dieser bis zu 15 Stunden am Tag arbeitenden Menschen. Mit der Gründung der Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen leistete Fröbel auch einen großen Beitrag zur Entwicklung der Berufsausbildung für junge Frauen. Man kann wohl mit Recht annehmen, daß es sich um eine der ersten weltlichen Berufsausbildungseinrichtungen für Frauen in Deutschland handelte. Andererseits konnte durch seine Schülerinnen in ganz Deutschland die Kindergartenidee wesentlich schneller verbreitet werden und der Kindergarten vorerst seinen Siegeszug antreten. Gekürzte Auszüge aus dem Plan der "Bildungsanstalt für Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen"

" Der Zweck der Anstalt ist im allgemeinen: Ausbildung geeigneter Jungfrauen zur Pflege, Entwicklung und Erziehung des Kindes von seiner Geburt bis zu völlig erlangter Schulfähigkeit ... Erfassung, Entwicklung und Ausbildung des Menschen und zwar schon als Kind, sowohl in seiner persönlichen Eigentümlichkeit, wie als Glied des großen Lebensganzen. "

Zweck der Anstalt im besonderen ist :

  • die Bildung von Erziehungsgehilfinnen für Haus und Familie und hier entweder die Bildung von Kindermädchen und Kinderwärterinnen oder die Ausbildung von Kinderführerinnen und Kindererzieherinnen (bis hin zur voll entwickelten Schulfähigkeit),
  • die Bildung von Führerinnen und Erzieherinnen ganzer Kinderkreise und Kindervereine, gleichsam wahrer Kindergärten ... also Kindergärtnerinnen.

" Zur Ausbildung für den beschränkteren ersten Beruf der Kinderpflegerinnen genügt bei einem dafür ausgewachsenen gesunden und kräftigen Körper das zurückgelegte Alter von 15 Jahren und aufwärts bis zum 20. Jahre. ... für den erweiterten Beruf als Kinderführerin und Kindergärtnerin ... ist das Alter vom 17. bis in die zwanziger Jahre das zweckmäßigste Alter ..."

"...Bedingungen dieser Berufswahl: Liebe zu den Kindern, Anlage und Neigung zum Spiel und Beschäftigen mit denselben, Reinheit des Charakters ..."

Ökonomische Gründe ermöglichten nur eine Ausbildung, die die Dauer von 26 Wochen nicht überstiegen. Im Plan wurde desweiteren ausführlich die Tagesplanung sowie die weiteren Aufnahmebedingungen sowie das konkretisierte Bildungsziel dargelegt. Die finanzielle Situation veranlaßte Middendorff zu der Äußerung:

"Es gilt, Freistellen in Marienthal zu gründen, damit auch unbemittelte Erzieherinnen im Sinne Pestalozzis und Friedrich Fröbels werden können. Es lassen Menschenfreunde junge Männer studieren. Um wieviel mehr tut es not, jungen Mädchen den Eintritt in diese Anstalt zu erleichtern! Den Freunden der guten Sache wird mit dieser Aufforderung, ein Scherflein zur Fröbelstiftung beizutragen,zugleich die Gelegenheit geboten,dem verehrten Greise mit der Unterstützung seiner Anstalt ... ein Liebeszeichen darzubringen."

Fröbel nutzte auch weiterhin intensiv viele Methoden, um den Kindergarten weiter zu propagieren und nicht zuletzt auch den Kindern Spaß und Freude zu bereiten. Auf Schloß Altenstein bei Schweina fand am 4. August 1850 ein Spielfest mit dem Zweck, der heranwachsenden Jugend die Forderungen der Zeit zur Anschauung zu bringen, statt. An diesem Fest nahmen etwa 300 Kinder und 20 bis 25 Erwachsene aus der Stadt Salzungen und den Dörfern Liebenstein, Steinbach, Schweina und Marienthal teil. Kinder und Jugendliche aus Salzungen stellten in ihren Spielen dar, daß Sinn und Zweck des Lebens nur erreichbar sind, wenn der Mensch von frühe an im Gebrauch seiner Sinne, Glieder, des Körpers und des Geistes gekräftigt und geübt wird. Wir wollen an dieser Stelle eine kleine Zahl weiterer Zitate aus Friedrich Fröbels Wochenschrift Nr.31 & 32 vom 5.und 12. August 1850 über dieses Spielfest bringen.

"Auf dieser Höhe war ein besonderer Spielplatz abgesteckt, dessen Durchmesser ungefähr 80 Schritt betrug, der an seinem äußeren Umkreise eine Menge von mehreren Hundert an dem Feste Teilnehmenden, zur ungestörten Beachtung des Ganzen Raum bot."

"So versammelten sich die Kinder an jedem einzelnen Ort, dann zunächst im Dorfe SCHWEINA unterhalb Altenstein unter Leitung ihrer Spielführenden... So bildeten sich Kolonnen von gleichlaufenden Reihen je zu 4 und 4, zu der Linken der Kolonnen gingen leitend und führend die Spielführerinnen. So ging um 2 Uhr der eine Zug von Schweina nach dem Altenstein. Hier fand man sich mit der Spielgenossenschaft aus dem Dorfe Steinbach..."

"Der Grundgedanke des Ganzen: die individuelle und Sonder-Ausbildung des Einzelnen im großen Lebensganzen, war als Erscheinung im Bisherigen ausgeprägt. Dieser Gedanke sollte nun noch mehr hervortreten; es sollte unmittelbar an und in den freien Kinderspielen gezeigt werden, wie er im wirklichen Leben klar und wahr auszuführen sei, und so traten nun einzelne Spiele oder vielmehr Spiele einzelner Abteilungen ein."

Vielleicht können diese Auszüge, denen aus den folgenden Heften der Zeitschrift sicherlich noch viele hinzuzufügen wären, einen kleinen Eindruck vom Anliegen Fröbels und auch von der Atmosphäre vermitteln, die dieses Kinderfest prägte.

DIE FREUNDSCHAFT ZWISCHEN FRÖBEL UND DIESTERWEG

Liebenstein war bereits in der damaligen Zeit ein bekannter Badeort, dessen Annehmlichkeiten sich freilich nur die Angehörigen der begüterten Schichten leisten konnten. Unter den Gästen weilte manche berühmte Persönlichkeit, auch der bedeutende deutsche Pädagoge Diesterweg, den bei seinem Kuraufenthalt die Kunde von einem "...Narren, welcher tagtäglich auf einer Wiese mit Kindern herumspringe ..." erreichte.  

Interessiert begab sich Diesterweg nach Marienthal und "...fand den Mann in einer kleinen Talvertiefung, ...mitten unter dreißig bis vierzig Bauernkindern... Die Kinder, meist in schlechter Kleidung, zum Teil zerlumpt und unvollständig, barfuß und ohne Kopfbedeckung...Knaben und Mädchen von zwei bis acht und zehn Jahren spielten Spiele." Die Gespräche mit Fröbel waren für beide Seiten so wichtig und produktiv, daß Diesterweg seinen auf ursprünglich 3 Wochen festgelegten Kuraufenthalt auf 3 Monate verlängerte und mehr noch : Er gab seine Tochter zu Fröbel in die Lehre auf die Kindergärtnerinnenschule.

Er äußerte zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen:

"... ja es war die unverkennbare Absicht Fröbels, die wahre Emanzipation des Weibes anzubahnen und einzuleiten..."

Einige der Schülerinnen Fröbels, unter ihnen Bertha v.Marenholtz-Bülow und Henriette Schrader- Breymann machten sich auch um die Verbreitung und Weiterentwicklung Fröbelschen Gedankengutes verdient. Ihnen verdanken wir auch heute manche liebevolle Schilderung des Lebens an der Kindergärtnerinnenschule und auch der Art und Weise des doch mitunter recht "eigensinnigen Fröbels". Diesterweg war es, der Fröbel in dessen wohl schwersten Wochen zur Seite stand. Die preußische Regierung hatte die Kindergärten verboten. Sichtlich gezeichnet von den Enttäuschungen blieb Fröbel dennoch aktiv.

"Vom 27. bis 29. d.M.(Oktober-d.V.) tagte in den ...Räumen des hiesigen Kurhauses die durch... A. Diesterweg (und) Friedrich Fröbel ausgeschriebene Pädagogenversammlung. ... Es stellte sich heraus, daß die Fröbelsche Erziehungsweise gerade in der letzten Zeit... in Hinblick auf das preußische Verbot gar nicht erwartet ... viele neue Freunde gewonnen ...hatte."

An dieser von Fröbel und Diesterweg in Bad Liebenstein organisierten Lehrerversammlung nahmen bedeutende Vertreter der Pädagogik der damaligen Zeit teil,so z.B. Georgens und Pösche. Es wurde dabei mitunter durchaus heftig über Fragen zur Erziehung im Fröbelschen Sinne diskutiert, wie folgendes Zitat von Dr. Georgens beweist:

"Die Fröbelsche Erziehung ist Friedenserziehung. Unsere Zeit dringt zur Einigung, weil sich überall Zwiespalt zeigt. Eisenbahnen und andere Kulturmittel sagen uns, die Erziehung muß zur Einheit und zum Frieden führen."

Im April 1852 nahm Fröbel von seinen Schülerinnen, von dankbaren Kindern und von vielen Verehrern die Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag entgegen. Anfang Juni reiste er noch einmal nach Gotha zu einer Pädagogenversammlung, von der er bereits sichtlich geschwächt zurückkehrte. Am 21.Juni 1852 vollendete sich das Leben eines der bedeutendsten deutschen Pädagogen. Viele Schweinaer folgten trotz des schlechten Wetters seinem Sarge. Das Grab Fröbels auf dem Schweinaer Friedhof ist auch heute Ziel vieler Verehrer und Freunde der Fröbelschen Ideen.

WAS DU ERERBT VON DEINEN VÄTERN

Das Werk Fröbels zählt zum lebendigen Erbe, umso mehr, da es aus einem jener Zeitabschnitte kommt, in denen sich tiefgehende soziale Umwälzungen vollzogen haben. Wie bereits erwähnt waren es nach dem Tode Fröbels zuerst seine Schülerinnen - unter ihnen B.v.Marenholtz - Bülow und Henriette Schrader-Breymann, seine Freunde W. Middendorff und F.W.A. Diesterweg sowie Fröbels Frau, die für die Bewahrung und Weiterführung Fröbelscher Gedanken eintraten. Aber bereits zu Lebzeiten begann die Abwertung und Umwertung von Fröbels Gesamtleistung. Eine von Diesterweg vorgeschlagene Goethestiftung nach Fröbels Erziehungsbestrebungen war abgelehnt worden. Der damalige Hofkapellmeister Franz Liszt, der in dieser Angelegenheit der Hauptberater von Großherzog Karl Alexander war, urteilte über den Vorschlag Diesterwegs, daß man Genies in Windeln noch keine Unterstützung gewähren könne.

Allerdings gab es auf regionaler Ebene einige Beispiele für die Bewahrung der Lebendigkeit des Fröbelschen Werkes. So machte sich z.B. in Eisenach am Ende des vorigen Jahrhunderts Eleonore Heerwart durch einige Schriften und Zeitschriftenbeiträge um die Propagierung der Gedanken Fröbels unter der Bevölkerung verdient. Es fanden sich immer wieder Personen, die die Bedeutung Fröbels erkannten und unter den Menschen popularisieren wollten. Ein besonders interessantes Projekt stellte der weltberühmte Architekt W. Gropius, der Begründer der Bauhausbewegung, in der Zeitschrift "Kindergarten" vom Februar 1925 vor. Aus Anlaß des 75. Todestages Fröbels im Jahre 1927 rief er dazu auf, in Bad Liebenstein ein Fröbel- Memorial zu schaffen, welches umfassen sollte:

  • Kindergarten, Kinderhort, Jugendheim
  • Kindererholungsheim
  • Ehrensaal zur Veranschaulichung von Friedrich Fröbels Lehre im Lichte der Gegenwart

Desweiteren war vorgesehen, weitgehend Praktikantinnen einzusetzen, um somit auch weiterhin dem Gedanken der Ausbildung von Kindergärtnerinnen Genüge zu tun. So wurden natürlich desweiteren Mitarbeiterwohnräume, Lehrräume,die Einrichtung einer Mutterschule und die Schaffung eines Erholungs- und Alterheimes für die Berufsorganisation der Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen in Erwägung gezogen.Das "Friedrich-Fröbel-Haus" sollte außerdem zu einer nationalen Forschungsstätte ausgebaut werden, an der alle Bedingungen für die wissenschaftliche Arbeit mit dem Erbe Fröbels geschaffen werden sollten. "So wird das Friedrich - Fröbel - Haus in Bad Liebenstein ein Nationaldenkmal für den großen Menschenfreund und Kindererzieher werden."

Walter Gropius selbst war an der Planung des Gebäudetraktes, der im Bauhaus- Stil entstehen sollte maßgeblich beteiligt,da die Vertreter dieser neuen Richtung der Architektur neben der Beziehung zu Fröbels humanistischem pädagogischen Erbe auch eine zu seinen Leistungen auf dem Gebiet von Mathematik und Geometrie besaßen, die ja auch in seinem Spielgabensystem augenfällig geworden waren. In manchem Lehrbuch für Architektur wird auch heute auf die Beziehung der Bauhausbewegung zu dieser Seite Fröbelschen Wirkens hingewiesen. Leider scheiterte auch dieses Projekt. Nach dem Wahlsieg großbürgerlich - junkerlicher Parteien wurden die Vertreter der Bauhaus-Bewegung aus Weimar vertrieben.

Im Schweinaer Fröbelhaus, dem heutigen Fröbel-Kindergarten, der sich in besonderer Weise dem Erbe des großen Pädagogen verpflichtet fühlt, fanden, beginnend in der Mitte der 20er Jahre, Kurse zur Ausbildung von "Landkinderpflegerinnen" im Fröbelschen Sinne statt. Darum machte sich insbesondere Käte Heintze verdient. Einige der ehemaligen Schülerinnen haben seit dem Fall der innerdeutschen Grenze ihre ehemalige Ausbildungsstätte wieder besucht. 1933 brach der Faschismus über Deutschland herein und auch Fröbels Gedankengut sollte der braunen Ideologie dienstbar gemacht werden. Fröbels Ideen wurden für die Rechtfertigung des faschistischen Mutterkultes herangezogen,das Geburtshaus Fröbels in Oberweißbach sogar als Musterbeispiel eines Hauses für Mutter und Kind im Dritten Reich hingestellt.

Andererseits bewahrten besonders auch in den dunklen Zeiten deutscher Geschichte einfache Menschen die humanistischen Gedanken Fröbels in ihren Herzen. Unmittelbar nach dem Sieg über den Hitlerfaschismus bedeutete Umgang mit Fröbelschen Erbe zuerst einmal die Befreiung aller Stätten der Erziehung und Bildung von der braunen Ideologie, aber auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gedankengut Fröbels begann in den Jahren nach 1945 wieder. Aus Anlaß des 100. Todestages Fröbels 1952 erschien eine Gedenkschrift. Die wissenschaftliche Arbeit mit dem Erbe Fröbels nimmt einen kontinuierlichen Verlauf, was nicht ausschließt, daß besondere Höhepunkte, wie z.B. die UNESCO - Ehrung für Fröbel aus Anlaß seines 200. Geburtstages 1982, den man auch in Schweina feierlich beging, besondere Aktivitäten auslösen.

Lebendig gehalten werden die Gedanken Fröbels insbesondere durch ihre produktive Umsetzung in die Praxis von Bildung und Erziehung. Vielen Menschen ist es aber darüber hinaus ein Bedürfnis, ihr Verhältnis zu Fröbel zum Ausdruck zu bringen. An allen Orten, die mit Leben und Werk Friedrich Fröbels verbunden sind, arbeiten Menschen ehrenamtlich an der Erhaltung und Verschönerung der Gedenkstätten mit. In Schweina betrifft das insbesondere die Pflege der Grabstelle und die Gestaltung des Gedenkzimmers im ehemaligen Schloß Marienthal. Es existieren eine Reihe von Fröbel - Vereinen und Freundeskreisen, die die wissenschaftliche Arbeit insbesondere auf regionalgeschichtlichem Gebiet durch ihren spezifischen Beitrag unterstützen.

Im April 1992 gründete sich in Keilhau mit dem "Neuen Thüringer Fröbelverein" ein Verband, der es sich zur Aufgabe macht, die diesbezügliche Arbeit zu koordinieren und zu unterstützen. In unserem Land tragen viele Bildungseinrichtungen den Namen Fröbels, was in Schweina auf die Staatliche Grundschule, die Staatliche Regelschule, den Kindergarten und das Kinderheim zutrifft. Dort fühlt man sich seinem Erbe selbstverständlich besonders verpflichtet. Dabei zeigt sich,daß neben traditionellen Formen auch die Suche nach neuen Formen der Ehrung Fröbels an diesen Einrichtungen Fuß gefaßt hat. So führen z.B. die Schweinaer Schulen und der Kindergarten alljährlich am Geburtstag des bedeutenden Pädagogen einen Fröbellauf für alle Kinder und Jugendlichen durch. Dies verdeutlicht Fröbels Bestreben nach der Verbindung von geistiger und körperlicher Erziehung.

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